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Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913
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zäunen jtanden und hingen
jämtlide Einwohner des Dorfes, um den „nien
Schollehrer“ zu jehen.
Die erſte Unvorjidhtigfeit beging id) Damit,
dab id) ohne Gruß an den Leuten vorüberfuhr.
Sn 9., wo id) aufgewadhljen war, war ſchon zu
damaliger Zeit die ſchöne Sitte des allgemeinen
Grüßens abgejhafft. Ich grüßte alſo grundſätz—
lich keinen Unbekannten. Damit hatte ich denn
nun nichts gewonnen, aber viel verſpielt. Die
einen meinten, es werde doch wohl nicht viel
mit mir ſein, weil ich nicht einmal „go'n Dach“
ſagen könnte; die anderen — ich ſei eine „ſtolte
Meſtkrät“, die man beſſer ſofort hinter den
Gärten abgeladen hätte. So intereſſierten ſich
für mich eigentlich nur noch der Pr. B. und der
Bay die faktiſch buhlten um meine Yreund-
alt.
— ———
Mein erſtes Mißgeſchick betrübte mich tief.
Voreingenommenheit und Mißtrauen der Ge—
meinde gegen den Lehrer iſt für die Schule das,
was der Meltau für zarte Pflanzen.
Sn dieſen eriten trüben Tagen aber lernte
id) eine Frau Tennen, Ohm Ssbrands Frau, ein
Meib von jeltener Klugheit mit einem feinfühlen-
den Herzen — eine Daje in der MWülte. Leider
tarb meine mütterlihe Freundin ſchon im Dritten
oder vierten Monat meines Aufenthaltes in 5.
Ich weinte ihr bittere Tränen nah. Wie wohl
hatte mir ihre Yürjorge um meine fleinen Wirt-
Ihaftsjahen getan. Sie hatte mir ihr volles
mütterlides Wohlwollen geſchenkt. Schon adt
Sahre meines Turzen Lebens hatte ich feine
Mutterliebe genießen dürfen, und jo bald wurde
mir aud) dieſe entrilen. Auch für die Schule
hatte jie mir Die erjten pädagogiſchen Winfe
. gegeben; doch davon in einem folgenden Kapitel.
Als nun der Herrgott meinte, Die Privat—
ftunden — die Stunden voll Kummer und Ent-
täuſchung —, die er in jeiner Güte mir als
Vorbereitung auf den Lehrerberuf gratis gab,
dürften vorläufig genügen, jchidte er mir den
Urjadnit*) ins Dorf.
Eines Abends Tommt ein Bote, vom Schulzen
gejandt, zu mir und fragt mid), ob ich imitande
lei, mit einem rujjiihen Herrn zu jprechen, Der
gefommen jei und etwas wolle, was fein Menſch
*) Soviel wie Gendarmenunteroffizier.
a
EITHER
herausfriegt, und ob id) mid) aud) nicht fürchte.
In dieſem Falle jolle ich doch jofort mitlommen.
Sch mußte über den Ernſt des Mannes laden
und folgte ihm ins Amt.
Hier wetterte und jchimpfte der Herr Urjadnit
große Stüde über die Prußaki, welhe auch nad)
taujend Jahren fein Wort ruſſiſch ſprechen lernen
würden. Der Schulze nebit „Biletter‘ *) ſtanden
ratlos da.
Ich begrüßte den Urjadnif, ſetzte mich ruhig
neben ihn an den Tiſch und fragte dann, was
er zu willen wünjde?
„Nu, Gott jei Dank! Menigitens ein ver-
nünftiger Menſch in dem verwünſchten Neſt!“
bemerkte der Mann erleichtert, und aller Zorn
war verraudt.
Es handelte ſich — wenn ih nit irre —
um einen entlaufenen Verbrecher, dejjen Spuren
man bis an J. gefolgt war.
Ich hatte mir bei der ganzen Geidhichte nichts
Bejonderes gedacht, aber die Leute waren von
dem Tag a
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[Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913. Сборник личных воспоминаний и этических размышлений меннонита П. Хардера о жизни в меннонитской общине Давлефаново (Уфимская губерния), включая педагогический опыт и вопросы вероуч] IIND: Me nn. Mennonite Historical Libraru Presented By Edwin Weaver Estate N Mennonite Historicat Library. Goshen College - Goshen, Indiana user Alfa; : N der en ® Rofe Blдtter. Gepflьckt auf mennonitifchem Boden von P. Harder. Dawlefanowo, Gouv. Ufa. Verlag der Buchhandlung A. P. Frieen. 833.719- IIFL Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck ohne Erlaubnis des Verlegers verboten. RIND Onhaltsverzeichnis. Bormort: Des, Berfallers a. en nn 5 Ein Abchnitt aus meinem Lehrerleben ............. 7 S 53 REN AUS 65 IUNIEEIDGSE DENE ee we et 97 DANS SIDE N e…