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Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913
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Ich erntete an diefem Tage viel Lob — wohl
mehr, als an all den darauffolgenden 24 Schul—
prüfungen, welde id jeither abgehalten, zus
Jammengenommen — und mir ſchwoll der Kamm
gewaltig. Wer die vorigen Kapitel aufmerkſam
gelejen, wird mir aud glauben, wenn id) be—
haupte, daß nicht Stoß nod Eitelkeit meine
Bıujt erfüllte, jondern Freude, Freude.
Nur ein Fehler wurde mir gerügt, ich hatte
ganz vergejjen, die Kleinen zu fragen. Das
Stüblein war auch zu gedrängt voll, wie hätt’
ich alle überjehen fönnen! Cine Mutter aber
ſagte mit ſchelmiſchem Lächeln, jie habe die An—
fänger verhött, fie könnten ſehr gut, „bloß de
ene Tann nuſcht; de ward ud jindag wat lehren:
dat’s von de hölterblefige*) Sort! Chr’ Mutta
hudt dre Jahr in de Yibel und Tann vondag
den dad) nich ehren Namen ſchriewen.“
Die betreffende Mutter aber jtand Daneben,
*) Hartlöpfige.
— ————
hörte das Urteil ſchweigend an und warf dann
ihre großen tiefblauen Augen, deren Lider mit den
ungewöhnlich langen Wimpern ſich immer etwas
ſchwerfällig hoben und ſenkten, fragend auf mich.
Arme Mutter! Der Lehrer deines Kindes
wußte dir keinen Troſt zu ſagen; die Wahrheit
war ihm dazumal, und beſonders an jenem Tag,
ſelbſt verborgen, die Wahrheit, die wohl ge—
ſprochen hätte: „Wäreſt du und dazu dein Tinele
in geſchicktere Hände geraten, ſo hättet ihr gewiß
noch etwas gelernt!“
Meine Arbeit war getan; der Lorbeerkranz
ſaß recht feſte um meine jugendliche Stirn. Nun
zog's mich gewaltig heim. Das junge Herz war
voll und verlangte ſtürmiſch nach den Lieben
daheim, den Geſchwiſtern, Schulkameraden und
nach Nachbars ſchmuckem Töchterlein, um ihnen
mitzuteilen, was ich erlebt und erſtrebt, gefunden
und empfunden, und wie mir's in der Krim er—
gangen.
Meine Sachen waren bald gepackt. Der
Schulze hatte mir geſagt, ich könne im Herbſt
wiederkommen, wenn ich um denſelben Lohn noch
weiter dienen wolle. Er ſelbſt hätte ja nichts
dawider, mir etwas zuzulegen, aber bei den
Nachbarn werde es wohl hart halten, denn vielen
ſei der diesjährige Lohn ſchon zu hoch vorge—
kommen. Er könnte ja auch noch mal die Nach—
barn zuſammenrufen, aber ſie hätten's jo „drock!“
und „pdat*) rannt je nid wach“!
*) Sprich: daut.
RRERRERERREIERTTEIETETETEHER
IH madte meinen Abſchied. Kigentümlid)
benahm ji) das kleine Abramden; es hatte auf
einmal viel laut zu reden und zu ſpaßen, während
ihm die Tränen immer wieder in die Augen
ſchoſſen, und als id) mi) von ihm verabjdhieden
wollte, war es plötzlich verſchwunden. Wahr
Icheinlih Hat es dem Schollehrer feinen „Poß““*)
geben wollen. Und wenn der Sclingel dieſes
leſen jollte, jo joll er willen, daß er jeinen „Poß“
noch Triegt von mir, wenn nicht in dieſem Leben,
dann jicher dort oben, wo Hoffentli der Mann
nit danach tazxiert wird, inwieweit er’s verjteht,
jeine Liebe zu verbergen und jeine guten Ge—
fühle zu bemeiltern.
An einem jtillen Märzmorgen, lange vor
‚Sonnenaufgang, als der Morgenjte
Source excerpts
[Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913. Сборник личных воспоминаний и этических размышлений меннонита П. Хардера о жизни в меннонитской общине Давлефаново (Уфимская губерния), включая педагогический опыт и вопросы вероуч] IIND: Me nn. Mennonite Historical Libraru Presented By Edwin Weaver Estate N Mennonite Historicat Library. Goshen College - Goshen, Indiana user Alfa; : N der en ® Rofe Blдtter. Gepflьckt auf mennonitifchem Boden von P. Harder. Dawlefanowo, Gouv. Ufa. Verlag der Buchhandlung A. P. Frieen. 833.719- IIFL Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck ohne Erlaubnis des Verlegers verboten. RIND Onhaltsverzeichnis. Bormort: Des, Berfallers a. en nn 5 Ein Abchnitt aus meinem Lehrerleben ............. 7 S 53 REN AUS 65 IUNIEEIDGSE DENE ee we et 97 DANS SIDE N e…