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Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913
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er ſagen dürfen, denn den Ge—
ſang der alten Deutſchen habe ich ſchon mit dem
Fahren eines Bretterwagens über eine ſteinerne
Brücke vergleichen hören, und wir? wir ſingen
doch ganz ordentlich, und vollends unſere Kinder
ſcheinen's nicht nur den Vöglein, ſondern gar
dem Frühlingswehen, dem Wellenſchlag des
Meeres und dem Sturzbach abgelauſcht zu haben.
Wenn das Sprichwort ſchon im Singen nicht
zutrifft, wieviel weniger kann's in allem anderen
Tun zutreffen!
Unſere Ehrerbietung vor — Alten — vor
den jüngſt oder längſt verſtorbenen Alten —
beweiſen wir nicht etwa damit, daß wir ihr Tun
blindlings nachtun, ſtarr an ihren Anſchauungen
hangen oder ihre Einrichtungen und Ordnungen
weiter führen. Was früher gut war, iſt's heut'
nicht allemal. Mein Onkel Isbrand ſelig hat
es in den letzten Jahren ſeines Lebens recht
ſchwer damit gehabt, daß kein Menſch mehr ver—
ſtände, einen ordentlichen Strohhaufen zu ſetzen.
Er ſah darin einen Rückſchritt in der Kultur und
NE ——
ERERERRERERREERERERETEITEIENG
glaubte jteif und feit, es gehe mit dem Wohl-
ſtand der heranalternden Generation rajend ſchnell
bergab. Heute aber jteht überhaupt fein Stroh-
haufen auf jeinem gewejenen Hof, und an der
Stelle, wo früher jein Wohnhaus gejtanden, er—
hebt ji ein Prachtbau mit zwei Stodwerfen und
Majjerdampfheizung. Sch trag’s aber dem Ohm
niht nad), hat doch jelbit der weltberühmte Bis-
mard nicht gemerkt, daß er jelbjit und dazu jeine
völferbewegende Politik jih ſattſam überlebt
hatten.
Menn mein Großvater jeinen Milchkühen
pünftlid) einmal die Woche den Hals ausgeteert
hat, jo habe ich ſolches noch nicht einmal getan;
und das nidht, weil’s der Großvater getan, aud)
nit, weil’s viele Leute heute noch tun, jondern
weil ich eradjte, ein bißchen Kodjalz ins Futter
gejtreut tut’s aud. Die Kühe haben mir fette
und aud) magere Milch geliefert, genügend und
nicht genügend, je nad) Kraft und Vermögen der
betreffenden. Ob Großvaters Kühe fettere Milch
gegeben und ein größeres Quantum, weiß ich
nicht, denn ich Habe weder ihn noch jeine Kühe
jemals gejehen. Aber dab er das Pfund Butter
um fünf Kopeken banfo verfauft Hat — was
einen Wert von zwei und einer halben Kopefe
in Silber bedeutet —, hat mir mein Vater einit
im Dertrauen mitgeteilt, und aud), daß er und
die vielen Onkels und Tanten nur jelten Butter
aufs Brot jtreichen durften, weil fie zu billig war.
Mie verkehrt! Wenn ich meinen Kindern Die
Butter knapp zumejje, weil ſie jo teuer ilt, findet
—
RRERERERREREREIEREIETEHETETENT
das jeder, der etwas vom Kampf ums Dajein
veriteht, ganz in der Ordnung!
Die armen Kinder! hr Butterbrötden
bleibt heute jo dünn und mager wie zu Groß—
vaters Zeiten, troßdem daß Vater recht behält
und Großvater unredt.
Mies den Kindern ergeht, jo ergeht’s im
großen und ganzen aud uns, den Erwadjenen.
Unjere Einnahmen jteigen von Jahr zu Jahr;
eine Quelle it noch nicht verjiegt, jo hat man
\hon die andere angebohrt. Der Adersman
Source excerpts
[Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913. Сборник личных воспоминаний и этических размышлений меннонита П. Хардера о жизни в меннонитской общине Давлефаново (Уфимская губерния), включая педагогический опыт и вопросы вероуч] IIND: Me nn. Mennonite Historical Libraru Presented By Edwin Weaver Estate N Mennonite Historicat Library. Goshen College - Goshen, Indiana user Alfa; : N der en ® Rofe Blдtter. Gepflьckt auf mennonitifchem Boden von P. Harder. Dawlefanowo, Gouv. Ufa. Verlag der Buchhandlung A. P. Frieen. 833.719- IIFL Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck ohne Erlaubnis des Verlegers verboten. RIND Onhaltsverzeichnis. Bormort: Des, Berfallers a. en nn 5 Ein Abchnitt aus meinem Lehrerleben ............. 7 S 53 REN AUS 65 IUNIEEIDGSE DENE ee we et 97 DANS SIDE N e…