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Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913
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leins, den kein Kreuzlein zierte und
kein Gedenkſtein, der von Unkraut überwuchert
war, als ſchliefe kein Menſchenkind darunter.
„Gewiß, Papa,“ hob er an, „wenn jemand,
ſo iſt dieſes Kind von Vater und Mutter geliebt
worden. Und ſie ſind dieſes Frühjahr nicht ein—
mal dageweſen, haben nicht einmal am Grabe
ihres Kindleins gebetet ... die Liebe hat ſchnell
aufgehört!“
Darauf ſprang er hurtig über den Kirchhofs—
graben, hinter welchem ein einſames, verfallenes
Grab ſichtbar wurde, und rief dem Vater zu:
„Warum iſt dieſer Mann in Schande ge—
fallen? Warum hat er ſich erhängt? Warum
hat man den, der ſich ſelbſt gerichtet — Gott
weiß, wie ſchonungslos! — abermals gerichtet
und feinen Leib bier verjharrt, wie man ein
totes Tier begräbt? Lehre mid) doch ſchluß⸗
folgern, damit ih auf die Liebe Tomme!‘
Der Vater näherte ji) langjam dem Grabe
100 —
EIHHCHTITITHCH CH CH HH HEHE
des Geäcdhteten. Ohne dem Sohne zu antworten,
30g er den Hut ab und |prad) ein leijes Gebet.
Eine Träne des Mitleivs rann über jeine
Mange ....
Nah dem Gottesdienit Tehrten unjere Wan-
derer wieder heim.
„Papa, wer war der vornehme Herr, den
du vorhin jo freundlich begrükteit im Vorhaus
der Kirche?“ fragte der Sohn.
„Das war mein ... mein Jugendfreund,“
antwortete der Vater und jeufzte leije.
„And den nennt du deinen Freund? Auf
deinen herzlihen Gruß hat er etwas vor ji
hingegrunzt, hat ein regelrehtes Pfauenrad ge-
\hlagen und iſt darauf, ohne Di) aud) nur eines
Blides oder einer Antwort zu würdigen, wie
ein Pferd davongekollert. Der wäre mein Yreund
nicht!“
Sp ereiferte ji) der Sohn immer mehr, bis
ihm der Vater in die Rede fiel:
„Wir waren Schulfameraden. Er jtammt
aus einem jchwerreihen Haufe, ich hingegen aus
einem armen. Nah) der Schule trat id) aus—
wärtig in Dienjt, während er bald die Ber-
waltung des väterlihen Landgutes übernahm.
Mir Hatten uns ſchon mehr als zwanzig Jahre
nicht gejehen. Nun beging ich unlängjt die Un—
vorjihtigkeit, ihn um ein Darlehn von 100 Rub.
zu bitten, um dein Kojtgeld in H. zu bezahlen,
wozu mir meine Gage immer nit ganz aus=
reihen wollte. Sch nenne diejes mit Vorbedadt
eine Unvorjichtigfeit, denn man joll nie Leute
Re
RRERRREREREIEIEHEIEHEIEIE INES
um eine Gefälligfeit bitten, weil jie reich ind;
wenn ein reiher Mann jedem, der jih an ihn
wendet, tatkräftig mithelfen wollte, jo wäre er
jelbjt bald arm. Das ilt nun einmal eine Wahr-
heit, die die Menjchen nicht einjehen wollen. Am
beiten, man bittet, wenn möglid, nie um Ge—
Tälligfeiten, und wenn’s nicht darohne gehen will
— nur Belannte, dies haben und aud gerne
tun. Und wenn du mal fremdes Geld brauden
jolltejt, jo fürdhte es, wie das euer, und zahl’s
eiligit mit Dank zurüd. Manche Leute opfern
große Summen für Mijjion und andere wohl-
tätige Zwede und — jteden bis am Hals in
Schulden, d. h. mit Haren Worten: jie opfern,
ihrem SHerrgott fremdes Gut. Doch das neben-
bei, Tehren wir zu meinem Freund zurück
Source excerpts
[Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913. Сборник личных воспоминаний и этических размышлений меннонита П. Хардера о жизни в меннонитской общине Давлефаново (Уфимская губерния), включая педагогический опыт и вопросы вероуч] IIND: Me nn. Mennonite Historical Libraru Presented By Edwin Weaver Estate N Mennonite Historicat Library. Goshen College - Goshen, Indiana user Alfa; : N der en ® Rofe Blдtter. Gepflьckt auf mennonitifchem Boden von P. Harder. Dawlefanowo, Gouv. Ufa. Verlag der Buchhandlung A. P. Frieen. 833.719- IIFL Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck ohne Erlaubnis des Verlegers verboten. RIND Onhaltsverzeichnis. Bormort: Des, Berfallers a. en nn 5 Ein Abchnitt aus meinem Lehrerleben ............. 7 S 53 REN AUS 65 IUNIEEIDGSE DENE ee we et 97 DANS SIDE N e…