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Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913
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r
| J Sonntagmorgen im Sommer. Ein
Now A DBater wandelte mit jeinem adtzehn-
EN = jährigen Sohn dem nahen Kirhdörflein
RE
9. zu.
Das Subeln der Lerhen hoch in der Luft
ſtörte aud) den Itillen Sonntagsfrieden nicht, der
über Yeld, Hain und Dörfern lagerte.
In ſolch feierlidjfrohen Stunden wird Die
Bruſt jo weit, jo weit; es ſcheint, es fände Die
ganze Welt mit all ihren Mängeln und vielen
Gebrechen darinnen Raum.
Und der PVater redete mit Teiler Stimme,
aber feſter Überzeugung darüber, welch wunderlid)
Ding es doch um die Liebe jei; wie jie alles
trage, das Ihre nicht ſuche und nimmer aufhöre.
Der Sohn jedod ſchritt gleihmütig neben
einem Vater einher. Er hatte ſoeben Die
Zentralihule abjolviert und erwiderte dem Vater
errötend, er glaube nit an die Liebe; die Men—
\hen zeigen jich gefällig, nur wenn jie auf einen
Gegendienit reflektieren ; höchſtens zeitweilig dank—
bar und anhänglid) jeien jie, — aber eine wahre,
uneigennübige Liebe gäbe es nidt.
— —
EIERKEERKETERETERETRTEIETER
Hierauf blidte der Vater jenem Sohne tief
in die Augen, und ein Unmutswölfhen huſchte
über feine Stirn, als er jagte:
„Es ilt dein gutes Menjchenrecht, alles, was
dir begegnet, zu prüfen und möglichſt zu er>
gründen. Nur hohle Köpfe jchluden alles her—
unter, was man ihnen vorwirft. Du wirst aber
vielen Dingen und Erjcheinungen im Leben nod)
nicht — vielleiht noch lange nicht, vielleiht aud)
zeitlebens nicht auf den Grund Tommen Tönnen.
Die Unwijjenheit nun madt ſich's in jolden
Yällen bequem: fie leugnet alles ihr Unver-
tändlide friih von der Leber weg und meint
noch gar, etwas Großes geleiltet zu haben, wenn
lie 3. 8. feititellt, es gäbe feinen Gott, weil ihn
nod) niemand gejehen habe. Sa, wer hat denn
jene Sonne, die dort über den Wald Iugt, je
gejehen? Iſt's doch nur der glänzende Schein,
den die Menjchen jeit Anbeginn der Welt Sonne
nennen; fein Menjchenauge kann einen Gegen-
ſtand in jo unermeßlichen Weiten erfaljen. Ein
Weiſer hingegen ſucht die Nätjel des Lebens zu
löjen, in feine Geheimnijje einzudringen. Wo
er nicht anders fertig wird, zieht er vorſichtig
Schlußfolgerungen. Wenn nun aud von zehn
Aufgaben drei, vier ungelöjt bleiben, fällt en
darum doch nit aus dem Gleihgewidt. Er
wird nod lange fein Skeptiker, Tein YJweifler
und Nörgler, aller Lebensfreude bar. m
Gegenteil, das Bewußtjein ſchon, mit vielen
dentenden Menjchen, mit Gelehrten und Nicht-
gelehrten, mit Alten und Jungen vor demjelben
ac 0 10, a are
RREREIEIETEIETEIEIEHEIEIETEHEIER
— zu ſtehen, verleiht ſeinem Leben Ge—
a 12°
Nun bogen die Wanderer aus der Allee von
Ulmen und PBappeln, die längs der Landſtraße
herlief, und traten nad) wenigen Minuten durchs
Friedhofstor.
Der Vater wies auf einen Engel, aus feinem
Marmor gemeißelt, mit gen Himmel gerichtetem
Blick, und ſagte leiſe:
„Sie höret nimmer auf!“
Der Sohn aber ſchüttelte ungläubig den Kopf
und ſtellte ſich demonſtrativ an den Grabhügel
eines Kind
Source excerpts
[Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913. Сборник личных воспоминаний и этических размышлений меннонита П. Хардера о жизни в меннонитской общине Давлефаново (Уфимская губерния), включая педагогический опыт и вопросы вероуч] IIND: Me nn. Mennonite Historical Libraru Presented By Edwin Weaver Estate N Mennonite Historicat Library. Goshen College - Goshen, Indiana user Alfa; : N der en ® Rofe Blдtter. Gepflьckt auf mennonitifchem Boden von P. Harder. Dawlefanowo, Gouv. Ufa. Verlag der Buchhandlung A. P. Frieen. 833.719- IIFL Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck ohne Erlaubnis des Verlegers verboten. RIND Onhaltsverzeichnis. Bormort: Des, Berfallers a. en nn 5 Ein Abchnitt aus meinem Lehrerleben ............. 7 S 53 REN AUS 65 IUNIEEIDGSE DENE ee we et 97 DANS SIDE N e…