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Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922
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u meiner Familie.“
„Wer bift Du?“
„Ich bin Lehrer im Orte.“
„Dann gehe nicht weiter, fonft erfchlägt man Dich.“
„Warum denn?“
„Wir üben Rache. Aber wenn Du Lehrer bift, gehe
dort hinüber ins Schulhaus. Dann kannft Du am Leben
bleiben.“
Es war in der Nähe der Volksfchule. Neufeld folgte
feinem Rat und blieb bei den beiden Dorffchullehrern Töws
und A. Wiebe.
Aber auch an der Volksfchule gingen die Plünderer
nicht vorbei! Eine Gruppe nach der anderen kam herein.
Die Lehrer zu befchimpfen und mit dem Tode zu bedrohen,
war offenbar eine Genugtuung für fie.
Das Schulhaus lag hart an der Straße. Daher fahen die
drei vom Fenfter aus, was um fie herum im Orte gefchah.
Gegenüber lag ein Hof. Er gehörte Heinrich Siemens.
Durch die offenen Türen und Fenfter drang Lärm herüber.
Schüffe fielen, und Siemens rief laut um Hilfe: vermutlich
war er getroffen worden. Bald ftiegen prasselnd die
Flammen hoch. Nichts blieb erhalten auf dem Hofe; auch
Siemens verbrannte in feinem Haufe.
H. Neufeld hätte fich verftecken können; aber er saß
da, in ahnungsschwere Gedanken versunken, den Kopf in
die Hand gestützt und verriet dann und wann, daß er an Frau
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Und Kinder dachte . . *
Nach zwei langen, martervollen Stunden ertönte
ein Signal und nun lammelten (ich die Räuber
auf der Straße zum Abzüge. Drolchken mit Vierer¬
oder Sechiergelpannen, Reiter auf frifch erbeuteten Pferden
drängten lieh zulammen. Es mögen drei- oder vierhundert
Mann gewelen lein.
Schon glaubten die Lehrer lieh gerettet. Da Itürzten
in letzter Minute noch einige blutlechzende Räuber mit Ichuß-
bereiten Piltolen ins Schulhaus. Heinrich Neufeld hielten lie
für einen Studenten. Wie lie auf die Idee gekommen waren,
ilt nicht gut erklärlich. Der 35jährige Mann hatte in der
Tat ehemals in der Schweiz Itudiert. Aber woran lollten lie
das erkennen? Ein Student war jedenfalls in ihren Augen
ein Todeskandidat. Aber auch die anderen beiden lollten
Iterben.
Ein Schuß — und Töws lank tötlich getroffen um. Da
trat Neufeld vor und rief den Mördern ins Gelicht: „Wofür?“
Statt Antwort fiel ein zweiter Schuß und Neufeld ward für
immer Itumm.
Den Tod vor Augen, lank Wiebe auf die Knie und
flehte die Mörder an, lein Leben zu Ichonen: er habe Frau
und Kinder. Dann verlor er die Beiinnung und erwachte
erlt in einem anderen Zimmer. Sein Henker Itand neben
ihm und forderte ein Lölegeld. Wiebe bot ihm alles, was
er hatte. So blieb er am Leben.
Töws und Neufeld waren tot. Neufelds Frage: „Wofür?“
war bezeichnend für leine ganze Art: Er belaß ein littliches
Rechtsempfinden, wie man es leiten bei
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[Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922. Книга описывает историю меннонитской общины Саградовки в Украине в период революции и гражданской войны 1919–1920 гг. Автор, меннонитский священник, детально излагает пережитые соб] Dr. Dietrich Neufeld Mennonitentum in der Ukraine Schicksalsgeschichte Sagradowkas 19 2 2 Digitized by the Internet Archive in 2019 with funding from John and Mary A. Yaremko Foundation https://archive.org/details/mennonitentumind00nava_0 Mennonitentum * in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas. Von Dr. Dietrich Neufeld. 19 2 2 Selbstverlag. Emden, GroЯe OsterstraЯe 37. Alle Rechte Vorbehalten. Copyright by Dr. Dietrich Neufeld, Emden, GroЯe OfterltraЯe 37. Gedruckt in der Druckerei M. Wilkens, Emden. Von dens…