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Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922

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der Revolution, die ihnen die Einteilung des Landes bringen lollte, betrogen. Sie waren unzufrieden, und die Gärung ging weiter. Deshalb führten die Okkupationsbehörden ihre Entwaffnung Itreng durch. 10 Den deutfchen Koloniften aber gaben fie Waffen und Munition und unterwiefen fie im Gebrauch der Waffen und in der Kriegführung. Auch Mennoniten ließen lieh bewaffnen. In Sagradowka war es damit nicht anders als in der Molotlchnaja und in der Altkolonie. Als ich um Weihnachten 1918 nach langen Jahren wieder nach Sagradowka kam, harrten die Kolonien von Waffen. Man hätte ausrufen mögen: „Herr, vergib ihnen, denn fie* wihen nicht, was lie tun!“ Sie hätten es wihen mühen! Es gab Stimmen, die ihnen den Widerfpruch zum Vorwurf machten. Durch 400 Jahre hin hatten he lieh zum Grundfatz der Wehrloiigkeit bekannt. 400 Jahre lang! Noch während des Weltkrieges war ihnen heilige Wahrheit gewefen: „Du fohlt nicht töten!“ Verbrieften Rechten gemäß hatten lie fern- geftanden vom blutigen Frontkampfe. In andrer Weife, in harter produktiver Arbeit, hatten fie dem Vaterlande gedient. Für die Verweigerung des Waffendienftes haben unfere Vorfahren gekämpft und gelitten. Der Grundfatz der Wehr- lofigkeit war den Mennoniten ftets heilig. In ihm fehe ich die gefchichtliche Bedeutung des Mennonitentums fchlechthin. Wer fo dachte, hat damals mit blutendem Herzen dem Waffentreiben der Mennoniten zugefehen. Ich kam damals aus deutfeher Gefangenfchaft zurück, wo ich den Zufammen- bruch des Militarismus erlebt hatte. Hier nun fah ich, wie derfelbe Geilt wieder erftand. Sollte fich hier vielleicht das- felbe traurige Drama abfpielen wie in Deutfchland? Jeder Militarismus ist herausfordernd, so auch hier. Freilich follte die Bewaffnung nur ein Schutz gegen Ueber- fälle sein. Aber die ruffifchen Nachbardörfer fühlten fich verletzt, und die alte Feindseligkeit lebte wieder auf. Sie wai 11 im Kriege von ruffifchen Nationalilten angefacht worden. Und die Militarisierung Sagradowkas trug nicht zur Ver- föhnung bei. Das Spiel mit den Waffen machte die mennonitilche Jungmannfchaft, die sich von altpreußifchen Offizieren drillen ließ, keck und teilweife fogar abenteuerlustig. Der Gedanke eines Kleinkrieges fchien manchem Jungen geradezu ver¬ lockend. Die ruffifchen Bauern fpiirten diefes Verhalten der Kolonisten heraus, befonders, wenn es hie und da vorkam, daß deutfche Soldaten sich von Mennoniten führen ließen, fo oft es galt, aufrührerische Elemente festzunehmen, die sich in Ruffendörfern versteckt hielten. Als dann die unvermeidliche Niederlage Deutfchlands kam, als infolgedeffen auch die Ukraine

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[Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922. Книга описывает историю меннонитской общины Саградовки в Украине в период революции и гражданской войны 1919–1920 гг. Автор, меннонитский священник, детально излагает пережитые соб] Dr. Dietrich Neufeld Mennonitentum in der Ukraine Schicksalsgeschichte Sagradowkas 19 2 2 Digitized by the Internet Archive in 2019 with funding from John and Mary A. Yaremko Foundation https://archive.org/details/mennonitentumind00nava_0 Mennonitentum * in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas. Von Dr. Dietrich Neufeld. 19 2 2 Selbstverlag. Emden, GroЯe OsterstraЯe 37. Alle Rechte Vorbehalten. Copyright by Dr. Dietrich Neufeld, Emden, GroЯe OfterltraЯe 37. Gedruckt in der Druckerei M. Wilkens, Emden. Von dens…