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Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922
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tzt von Auslandsmächten, liegreich vor.
Als auch über Sagradowka die „Weiße Welle“ kam,
begingen die Mennoniten hier dielelbe große Torheit wie
ihre Glaubensbrüder an der Molotschnaja: lie ließen lieh
als Freiwillige von den Weißen anwerben und traten damit,
obgleich nicht offiziell, lo doch deutlich genug zu den
Gegnern der russischen Bauern über.
Aber bald genug wurde offenbar, daß die Anhänger des
Generals Denikin Rußland auf die Dauer nicht beherrlchen
würden. Sie waren reaktionär und trieben als furchtbare
Rächer mit jedem neuangezündeten Dorfe die Bauern in
hellen Haufen zum Aufltand. Beamte und Polizilten ver¬
fuhren derart rücklichtslos mit dem Volke, daß es den Haß
der Vertreter des alten Regimes deutlich empfand. Dieler
Haß aber wurde aufs heftiglte erwidert.
Es waren bei den Kolonilten zumeilt junge, leicht ent¬
flammte Draufgänger, voll Abenteuerluit, die lieh zu den
Freiwilligen Ichlugen. Sie begriffen weder die Seele des
rullilchen Volkes, noch hatten lie politilches Verltändnis für
die Gelchehnilie der Umgebung. Töricht handelten lie, denn
unter dem Zarenregime waren es diele Reaktionäre gewelen,
die gegen die Kolonilten mit allen Mitteln gehetzt hatten.
Aber auch die Alten widerletzten lieh nicht mit Entlchlollenheit.
Als ich vor dem Anlchluß an die Weißen warnte, fand ich
bei den Jungen kein Gehör und bei den Alten keine Unter-
Itützung. Später hat man mir recht geben müllen, aber die
traurige Wirkung der unbedachten Stellungnahme war da.
und erwies lieh verhängnisvoller als je einer ahnen konnte.
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Von Tag zu Tag nahm die Aufltandsgefinnung gegen
die Weißen zu. Auch in der Umgebung von Sagradowka.
Weißgardilten, die in dem lutherilchen Nachbarbezirk
Rationiert waren, nahmen Erichießungen vor in den auf¬
rührerischen Ruhendörfern. Es wird erzählt, Kolonisten leien
dabei beteiligt gewelen: man habe deutlche Freiwillige zu
den Erichießungen kommandiert. Mennoniten lind es wohl
kaum gewelen, weil zu jener Zeit niemand von ihnen lieh
dort befand. Es hat allerdings auch Mennonitenlöhne
gegeben, die unter Anführung eines haßerfüllten Großgrund-
belitzerlohnes, namens Wieland, bei Strafexpeditionen an
Aufltandsführern Rache genommen haben. Irgendeinem
Mennoniten Sagradowkas ilt jedoch eine lolche Handlungs¬
weile nicht nachzuweilen.
Tadeln kann man die Mennoniten Sagradowkas dafür,
daß lie zu den Waffen gegriffen haben, Itatt an dem Grund¬
latz der Wehrloligkeit feltzuhalten. Als gute Chrilten durften
lie ihren Nächlten nicht hallen. Sie mußten ihn lieben, auch
wenn er ihnen Leid zufügte. Sie aber machten gemeinlame
Sache mit einer Soldateska, die wild
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[Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922. Книга описывает историю меннонитской общины Саградовки в Украине в период революции и гражданской войны 1919–1920 гг. Автор, меннонитский священник, детально излагает пережитые соб] Dr. Dietrich Neufeld Mennonitentum in der Ukraine Schicksalsgeschichte Sagradowkas 19 2 2 Digitized by the Internet Archive in 2019 with funding from John and Mary A. Yaremko Foundation https://archive.org/details/mennonitentumind00nava_0 Mennonitentum * in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas. Von Dr. Dietrich Neufeld. 19 2 2 Selbstverlag. Emden, GroЯe OsterstraЯe 37. Alle Rechte Vorbehalten. Copyright by Dr. Dietrich Neufeld, Emden, GroЯe OfterltraЯe 37. Gedruckt in der Druckerei M. Wilkens, Emden. Von dens…