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Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913
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hrte eine Hand
leije meine Schulter. Ich fuhr erſchreckt zu—
ſammen; es war die Koſtmutter, meine kluge
mütterliche Freundin.
——
„Wat wellſt mit all de Böker in ons Schol,
Peta?“ fragte ſie leiſe, dabei freundlich lächelnd.
Bisher hatte ſie ihren Rat nur auf meine
kleinen Wirtſchaftsfragen beſchränkt und ſich in
keinerlei Weiſe in Schulangelegenheiten gemiſcht.
Sie nahm mir vorſichtig alle Bücher aus der
Hand und legte ſie auf mein Bett.
„Latt ſei dar man liggen, ’E pad ſei Di
nahitens |hmod in din'n Kaften!“ ſagte jie und
ging in die Editube. Bald kehrte jie zurüd und
überreichte mir eine Bibel und einen Katedhismus,
ein Choraldbub und ein Gejangbud mit Den
Morten:
„Bi ons ward bloß ut dije Böker lehrt; dat
reakt tau fürn Bur!“
Darauf zeigte jie mir einige Choräle, weldje
alle Schulkinder mitjingen könnten, die Kirchen-
lieder, die jie vorigen Winter gelernt hätten,
wählte aud) den Palm, den ih) zu Anfang nad)
dem Gebet a \ollte, und fagte: „Nu gah
all ma; de Kihjers luren*) all! Griep dat
vondag nid tau doll an! Bertell’n ud ’ne ſchöne
Geihiht, wenn du ene Tannit; dat pludt **)
mi emmer ſchön tauhören gahnen! Help di Gott,
Peta!“
Nun Hatte ich endlich mal was Reales, etwas
Greifbares. Mit dankbarem Herzen verabjchiedete
ih mid) von der guten Tante und eilte, Bibel,
Katehismus, Choralbuh und Gejangbud unter
dem Arm, quer über die Straße der Schule zu.
*) Lauern, warten.
*x) Pflegte.
————
ERERIERTERTERTHKERTEREIEIOR
Als id) die Schultür öffnete, jah id etwas —
falſch! jah ih nichts vor dem aufgewirbelten
Staub und hörte auch nichts, denn die Kinder
ſaßen num mäusdenitill da und „lurten“, als
ob der Sand allein in die Luft geitiegen wäre.
Ich grükte: „Guten Tag, Kinder!“ Seine
Antwort. ‚Guten Tag, Kinder!‘ wiederholte
id) meinen Gruß etwas lauter. Keine Antwort.
Endlih jagte eine größere Schülerin von ihrem
Pla aus: ‚Dat hawen de Junges Dahnen;
de toben jtündirlid) römmer!“ Worauf ein Tedes
Büblein mit feuerroten Baden, den Kopf auf
die Hand geitüßt: ‚Dat lügit, Stin! Dathawen
de Marjallen dahnen mit ehre lange Röd!“
Nachdem ich die Schulitube ſoviel wie möglich
gelüftet hatte, ging’s denn aud an mit einem
herzlich bittenden:
„Ach bleib’ mit deiner Gnade
Bei uns, Herr Jeſus Chrilt!“
Die Geſchichte, welhe ih) den Kindern er-
zählte, geriet jo lang, daß mir Tante einen
kleinen Boten nachſchickte, ich ſolle ſofort kommen,
denn das Mittag werde kalt.
Ohm Isbrand ſaß ſchon an ſeinem Platz und
war ſehr hochdeutſch angehaucht. Er deklamierte
mir beim Eintritt in die Stube vor: „Wer nich
kömmt ßur rachten Szeit, der bekömmt, wat
äwerbleibt!“
Ich ſchaute nach meinem erſten „Prowen“
glückſtrahlend drein. Was wußte ich nicht alles
aus der Schule zu erzählen, das dann mit den
Quartiersleuten herzlich belacht wurde! Der
RRERRREERTEKEIEHETTTEITTETER
eigentlihe Quell meines Glüdes aber war nicht
das viele Spaßhafte, was ic) erlebt hatte, ſon—
dern eine Wahrnehm
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[Rofe Blätter. Gepflückt auf mennonitischem Boden, P. Harder, 1913. Сборник личных воспоминаний и этических размышлений меннонита П. Хардера о жизни в меннонитской общине Давлефаново (Уфимская губерния), включая педагогический опыт и вопросы вероуч] IIND: Me nn. Mennonite Historical Libraru Presented By Edwin Weaver Estate N Mennonite Historicat Library. Goshen College - Goshen, Indiana user Alfa; : N der en ® Rofe Blдtter. Gepflьckt auf mennonitifchem Boden von P. Harder. Dawlefanowo, Gouv. Ufa. Verlag der Buchhandlung A. P. Frieen. 833.719- IIFL Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck ohne Erlaubnis des Verlegers verboten. RIND Onhaltsverzeichnis. Bormort: Des, Berfallers a. en nn 5 Ein Abchnitt aus meinem Lehrerleben ............. 7 S 53 REN AUS 65 IUNIEEIDGSE DENE ee we et 97 DANS SIDE N e…