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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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vorgefch ritzt. Die dreimonatliche Machno - Herrichaft in dem Gebiete Chortitza hat den Mennoniten hier ein unver- ichuldet tragiiches Schickfal bereitet, in einer Weife, wie es für einen Wefteuropäer unausdenkbar ift. Möge der Notfchrei diefes Tagebuches das Mit¬ gefühl der Wefteuropäer in dem Sinne wecken, daß fie fich eins fühlen mit den Menfchen dort unten, fowohl mit den Leidbetroffenen wie auch mit den Verirrten, um mit jenen mitzuleiden und mit diefen fich zu fchämen; denn die Menfchheit ift ein Ganzes, und jeder Teil ift mitverantwortlich für das Ganze. Huddinge (Schweden), im August 1921. Dietrich N e u f e 1 d. 4 I Rofenthal, am 15. September 1919. Fünf Tage bin ich nun hier am Dnjepr. Ich wohne oben am Abhang und überiehe von unterem fcnönen fonnigen Häuschen die friedliche Kolonihen- iiedelung, die unter mir wie angeichwemmt daliegt. Wenn ich dort weiter die ruhigen Fluten des Stromes dahingehen iehe, ift es mir fo, als ob diele Waher, weither vom Nordwehen aus deutfchen Landen kommend, hier ein Zipfelchen deutlcher Erde abge¬ lagert hätten. Ein Gelchlecht ih darauf aufgewachlen, das deutlch fpricht, eigen denkt und ähnlichen Ge¬ mütes ilt wie die Deutfchen. Ich weiß, daß dies die älteite deuttche Nieder- lahung in Süd-Rußland ih Es war eine harte Zeit, als lieh vor 130 Jahren deutsche Siedler nach langer mühieliger Rehe hier in der freien wilden Steppe niederließen und nach und nach um dielen Platz herum 20 Hofdörfer begründeten. Die erhen arm- ieligen Hütten find ichon längit vertchwunden. Ich fehe hier im Tal entlang neben holzen Bauernhöfen fünf große Getreidemühlen, Fabriken landwirtfchaft- licher Malchinen, Ziegeleien mit hohen Schloten, Banken und Handlungen, Schulen und Krankenhäufer weiß ich an dieiem Ort. Durch Krieg und Revolution ilt alles verkommen und erneuerungsbedürftig, aber Ackerbau, Handel und Gewerbe, Schule und Wohl¬ fahrtspflege kann von neuem wieder aufblühen, wenn die unruhige Zeit vorüber ilt. Ich fitze hier am Feniter, ftütze den Kopf in die Hand und fehe hinaus, über die Häuler hinweg in die Ferne. Weithin dehnt fich die ruhifche Steppe, und in ihr liegen verträumt die ruhiiehen Dörfer und Städte Verträumt iage ich? Nein, der Traum ilt aus. Die Dörfer find erwacht. Aber der verträumte Muichik weiß [ich nicht zu orientieren; er greift 5 unbefonnen zu, er kennt keine inFtin ktiven Hemm¬ ungen mehr. Wir möchten wohl beiieite heben als unbeteiligte Zuichauer. Aber es gibt hier keine Grenzen mehr, die Halt gebieten. Oft Ichon haben wir erfahren mühen, daß der ruhhche MuFchik uns deutFchen Koloniste

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…