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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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cht Schuld
daran, daß der ruhifche Bauer bis 1861 noch als
Leibeigener gehalten wurde, und daß er nach feiner
Befreiung in fchmaler Furche neben den riefengroßen
Gütern der Großen des Landes fein kümmerliches
Brot fuchen mußte.
Die meiften Koloniften fangen an, ernftiich darüber
nachzudenken, ob eine andere Heimat gefunden Werden
kann. Wahrlich, es ift genug an dem, was wir ertragen
mußten. Während des Krieges waren wir die Stief¬
kinder, die ärger als Feinde behandelt wurden, weii
kein Staat fich ihrer annahm. Seit 100 Jahren waren
he die loyalften Bürger, ohne fich je um Politik zu
kümmern, weder um die innere, noch viel weniger um
die äußere. Die Zarenregierung begann fie zu ent¬
eignen und bedrohte he mit der Verbannung in die
Tundren Sibiriens. Panflawiftifche Hetzer verfuchten
jedes Mittel, um den Wehrlofen Tritte zu verletzen.
191 7 kam die Revolution und rettete he von der
Vertreibung nach Sibirien. Aber dann folgte die
bolfchewiftifche Oktoberrevolution und mit ihr der
Bürgerkrieg und die Anarchie. Ein Wehe nach dem
anderen kam über uns.
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Wir haben hier keine Heimat. Wir wollen fort!
Die Lofung „Auswandern“ geht wie ein Lauffeuer von
Ort zu Ort. Wo zwei oder drei Koloniften zufammen-
treten, da fprechen fie vom Auswandern. Nur das
hält uns noch aufrecht, nur dieler Gedanke gibt uns
Hoffnung.
Aber wie? Wohin? Mit welchen Mitteln? Werden
unlere Hoffnungen auf unüberwindliche Hindernilfe
ftoßen? Das find bange Fragen, die gefühlsmäßig mit
Hoffen und Zagen verknüpft find . . .
* *
*
Am 5. März.
Nun ift Gewißheit da! Seit längerer Zeit fchon
ging das Gerücht von einem Blutbad in der deutfchen
Kolonie Sagradowka, 200 Werft weftwärts vom Dnjepr.
Heute hielt ich die Lifte der Ermordeten in der
Hand! Was ich fah, ich faffe es nicht! Ich durchflog
die langen Reihen der Namen — es verfchwamrn mir
vor den Augen. 214 Menfchen — ich kenne fie alle.
Mein Vater! Ihr Brüder! Gemordet! Ich möchte
fchreien, daß der Erdball zittert! Mein Bruder, wäre
ich für ihn geftorben! Du hatteft eine Frau und 7
kleine Kinder! Du raftlofer Kämpfer für Wahrheit und
Ideal! — So kennt der Frevel keine Grenzen?!
x
79
Navall, Dederich
Ein Tagebuch
DK
508
• 8
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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…