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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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r hier ein
altes, verwafchenes aber reines Hemd fchätzen, wie
wir dankbar wären, wenn ein jeder von uns fo viel an
Wälche befäße, daß er die Unterkleidung wechfeln
könnte! Das können immer noch nicht alle tun.
Viele haben zu dem keine Oberkleider mehr, weil die
Anarchisten viele Kranken auch der letzten Kleider
beraubten, ich weiß einen Mann, der im Bett liegen
muß, weil er keine Kleider hat.
Wenn man dort errneffen könnte, wie hoch wir
ein Paar Stiefel einichätzen ! Wir gehen auf Holz-
iohlen, daran überkreuz Leinen- oder Tuchbänder ge¬
nagelt find, iodaß wir darauf wie auf Sandalen gehen.
Aber die Füße find nicht bedeckt; man hat keine
Wolle, gelchweige denn Strümpfe.
* *
*
Am 1. März.
Es iit vorbei ! Die Hoffnung verblaßt. Zwilchen
jenen Deutichen in Taurien und uns ift die Front der
beiden Heere Wrangels und der Bolfchewiki entftanden.
Wir find von den helfenden Brüdern abgefchnitten.
Wir leben in vollkommener Abgefchlofienheit. Die
Bahnen gehen nicht, die Poft arbeitet nicht, der Tele¬
graph erlt recht nicht, denn während der Willkürzeit,
die immer noch andauert in der anarchisch verfeuchten
Ukraina haben die Telegraphenftangen und -Drähte
andere Verwendung gefunden. Am eheften denkbar
wäre jetzt der Verkehr zu Pferde. Allein wir haben
keine Tiere behalten. Wenn es noch elende Klepper
gibt, fo gebraucht man fie, um das eine oder andere
Feld notdürftig zu beftellen. Im Herbft konnten die
Felder der Anarchien wegen nicht beftellt werden,
und jetzt bleiben fie liegen, weil es keine Arbeits¬
kräfte gibt.
Das Reifen ift gefährlicher geworden als im Innern
Afrikas. Vorgeftern wagten drei Deutfche es, lieh auf
einen längeren Weg zu begeben. Geftern um die
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Mittagszeit fand man den Fuhrmann und das junge
Brautpaar tot am Wege. Sie waren nur 15 Werit
fortgekommen. Des Wagens und der elenden Pferde
wegen wurden fie ermordet.
* *
*
Am 2. März.
Wir find Fremdlinge in dieiem Land. Wer es vor
dem Kriege nicht empfand, der hat es während und
nach dem Kriege taufendfach erfahren mühen. Wir
find in den Augen unierer ruhifchen Nachbarn die
verfluchten Njemze, die in ihrem Lande wirtfchaftlich
hochgekommen find. Daß untere Vorfahren vor 120
Jahren als Siedler ins Land gerufen wurden, um Teile
der Steppe urbar zu machen, daß fie durch Fleiß und
Ausdauer, fowie durch eigene kluge wirtlchaftliche
Organhation in gänzlich unpolitischer Weife, als Ge-
famtheit zu einer beheren wirtfchaftlichen Stellung
gekommen find als die ruhifchen Bauern, das igno¬
rieren fie. Die Koloniften, die niemals eine politische
Rolle gefpielt haben, find wahrhaftig ni
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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…