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Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922
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unbedenklich die Waffen an. Es trifft lie ein dop¬
pelter Vorwurf deshalb. Einmal war es politilch unklug.
Dann aber widerlprach es fchreiend ihrer bisher ftets bekun¬
deten Anlchauung über Wehrloligkeit. Die ruhilchen Bauern
wielen auf dielen Widerlpruch hin und nannten lie Heuchler.
Eine bittere Wahrheit hielt man ihnen vor: „Als unler Ru߬
land,“ lo hieß es, „unlre Frauen und Kinder 1914 durch den
Ueberfall gefährdet waren, da wolltet Ihr die Waffe der
Verteidigung nicht nehmen. Aber nun es um Euer Eigen¬
tum geht, bewaffnet Ihr Euch.“ Das war allerdings lehr
belchämend, da ihr Handeln weder von Staatserhaltungstrieb
noch von wahrem Christentum zeugte.
Die Verirrung vom Pazifismus zürn Militarismus ilt für
Mennoniten belonders belaltend. Haben wir nicht Itets mit
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berechtigtem Stolz auf untre vierhundertjährige Ueberlieferung
hingewiefen, die einen ftrengen Pazifismus bedeutet? Und
gerade in dem Augenblick, als infolge des beiipiellos mör-
derilchen Krieges der Militarismus in feiner ganzen Fluch¬
würdigkeit erkannt wurde und der Pazifismus mit nie da-
gewefener Werbekraft [ich auszubreiten begann, felbft in
Deutfchland — da verließen wir das hehre Ziel. Ein
Mennonit, der den konfequenten Gedanken des Friedens
aufgibt und den Krieg bejaht, richtet fich felbft. Er ift fortan
kein Mennonit mehr.
Zum Glück fanden die Mennoniten in Sagradowka
später wieder zur alten Wahrheit zurück und bereuten ihre
Verirrung aufrichtig.
Unwillkürlich taucht die Frage auf, ob das Schicksal
Sagradowkas in dem Maße fchwer ausgefallen wäre, wenn
die Mennoniten fich nicht zum Militarismus verirrt hätten.
Ich fage : nein ! Die Mennoniten in Memrik verweigerten
die Waffen, und auch dort ift Machno durchgezogen. Er
hat bei ihnen nicht fo wüft gehäuft. Gibt das nicht zu
denken ?
Ich will kein abschliessendes Urteil fällen. Wer ver¬
mag in diesem Falle genau Urfache und Wirkung gegen¬
einander abzuwägen? Jedenfalls erkennen wir eine Fülle
innerer und äußerer Urfachen, die zu dem schlechten Ver¬
hältnis zwilchen den ruffifchen Bauern und den mennoni-
tifchen Koloniften Sagradowkas geführt haben.
Deffenungeachtet bleibt die Heimfuchung Sagradowkas
ein himmelschreiendes Unrecht, eine flammende Anklage
gegen folche Zustände in der zivilisierten Menschheit.
*
«
*
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Um die Heimfuchung der Mennoniten auf Sagradowka
zu verbildlichen, möge jetzt eine Schilderung von Einzel-
Ichicklalen folgen. Es lind dies Beilpiele, die ich hundert¬
fach vermehren könnte, da lieh falt auf jedem der 600
Höfe eine Tragödie abgelpielt hat.
Nicht nur in den fechs betroffenen Dörfern allein, auch
in
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[Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922. Книга описывает историю меннонитской общины Саградовки в Украине в период революции и гражданской войны 1919–1920 гг. Автор, меннонитский священник, детально излагает пережитые соб] Dr. Dietrich Neufeld Mennonitentum in der Ukraine Schicksalsgeschichte Sagradowkas 19 2 2 Digitized by the Internet Archive in 2019 with funding from John and Mary A. Yaremko Foundation https://archive.org/details/mennonitentumind00nava_0 Mennonitentum * in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas. Von Dr. Dietrich Neufeld. 19 2 2 Selbstverlag. Emden, GroЯe OsterstraЯe 37. Alle Rechte Vorbehalten. Copyright by Dr. Dietrich Neufeld, Emden, GroЯe OfterltraЯe 37. Gedruckt in der Druckerei M. Wilkens, Emden. Von dens…