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Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922
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den übrigen erlebten die Mennoniten eine qualvolle Zeit.
Mußte man nicht auch dort jeden Augenblick die Räuber
erwarten, von denen die Flüchtlinge mit verhörten Gelichtern
erzählten ? Ilt es nicht begreiflich, daß die erregte Phanta-
fie den Tod in allen Farben der Vorltellung tanzen ließ,
daß die Gemüter bis zur Betörtheit gespannt waren ? Der
Wirrwarr von Ereignihen und Gerüchten machte dief Men-
fchen kopflos, und eine Panik unheilvoller Art entband.
Ziellos Iah man lie in unregelmäßigen Haufen in die Steppen
fliehen. Kinder klammerten lieh in Todesanglt an die Eltern,
die unter der Lalt des Jammers, vor Ermattung und Er¬
regung falt zulammenbrachen.
Ein Beifpiel. Der Lehrer J. Bärg belaß kein Geipann
und mußte zu Fuß die Flucht ergreifen. Neben ihm ging
feine kranke Frau, umgeben von ihren zehn Kindern, dar¬
unter ein epileptifcher Krüppel. Ein Wagen nach dem anderen
fuhr an ihnen vorbei, die denfelben Weg nach Michajlowka
einfehlugen. Alles fliehende Mennoniten. Mit flehenden
Blicken fah die wandernde Familie den Wagenbefitzern nach.
Aber fie wurde nicht beachtet. Endlich kam einer mit dem
Herz des Samariters und nahm den Krüppel des armen
Lehiers zu fich auf den Wagen. Für [mehr Perfonen fand
fich kein Raum, da bereits 11 auf dem Wagen faßen. Der
Mann, von dem ich diefes Beifpiel habe, fügte hinzu: „Der
barmherzige Samariter war hier auch keiner von denen, die
lange Gebete öffentlich herfagen. Leviten und Pharifäer
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waren achtlos vorübergefahren, auch wenn fie Platz genug
auf dem Wagen hatten. Sie dachten nur an ihre eigene
Gefahr.“
Doch nun zurück zu den überfallenen Dörfern ! Gnaden¬
feld. Um arm und reich kümmerten lieh die Machnowze
nicht. Gnadenfeld ift eines der ärmften Dörfer des Gebiets
und hat doch nach Münfterberg am meiften gelitten.
Als die erften Reiter hier erfchienen, ging gerade ein
Mann, namens Franz Ilaak, über die Strasse. Die Reiter
winkten ihm aus der Ferne. Er ahnte jedoch nichts Gutes
und floh vor ihnen. Da hörte er Schüsse, aber die Kugeln
pfiffen an ihm vorbei, ohne ihn zu treffen. Er lief in einen
Garterr, um lieh zu verftecken. Aber es war im November,
und die Bäume hatten bereits ihr Laub verloren. Endlich
fand er hinter den Gärten einen Graben, wo er sich ver¬
kroch. Bald hörte er Stimmen und Huffchlag. Vorfichtig
lugte er hervor und gewahrte zwei Reiter, die den Graben
entlangritten. Unfehlbar mußten fie ihn entdecken. Darum
[prang er heraus, um [ich im Schutze des Nebels in [ein
Häus’chen zu retten; denn er hatte eine Frau und zwei
kleine Kinder, die auf ihn warteten. Aber ehe er die H
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[Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922. Книга описывает историю меннонитской общины Саградовки в Украине в период революции и гражданской войны 1919–1920 гг. Автор, меннонитский священник, детально излагает пережитые соб] Dr. Dietrich Neufeld Mennonitentum in der Ukraine Schicksalsgeschichte Sagradowkas 19 2 2 Digitized by the Internet Archive in 2019 with funding from John and Mary A. Yaremko Foundation https://archive.org/details/mennonitentumind00nava_0 Mennonitentum * in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas. Von Dr. Dietrich Neufeld. 19 2 2 Selbstverlag. Emden, GroЯe OsterstraЯe 37. Alle Rechte Vorbehalten. Copyright by Dr. Dietrich Neufeld, Emden, GroЯe OfterltraЯe 37. Gedruckt in der Druckerei M. Wilkens, Emden. Von dens…