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Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922
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ennoniten, das unler Ziel war. Aber die Brücke war vom
Hochwaller zerltört, und es galt eine Furt zu finden. Der
Fluß hatte viel Waller zu dieler Jahreszeit. Wir waren daher
nicht unbekümmert, bis man uns eine geeignete Stelle zeigte.
Das Waller drang in den Wagenkalten, aber die Durchfahrt
glückte. Schwer kam dann der Wagen in dem lolen Sande
voran. Ich Itieg ab und ging nebenher.
Im fahlen Lichte des aufgehenden Mondes lag Münlter-
berg vor mir. Voll bangender Erwartung Ipähte ich hinüber
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nach jenem Dorf, über deffen Schicktal tchaurige Gerüchte
nach der Altkolonie gedrungen waren. Langtam fuhr jetzt
der Wagen in die tandige Dorfttraße hinein. Ich folgte ihm
in einiger Entfernung. Kein Laut ringsum. Kein Hund
fchlug an. Kein Mentch ichritt über den Hof, der vor mir
lag. Eine graulige Stille im Dunkel der Mondnacht!
Das Haus trug kein Dach mehr. Durch ichaurig
gähnende Fentteröffnungen Iah ich fchwarzberußte Innen¬
wände. Unbeweglich umltanden Bäume diete Mauern, die
ehemals ein glückliches Heim geborgen hatten. Erftarrt
waren die Bäume feit dem Brande. Sie belaubten lieh nicht
mehr. Wie ftumme Ankläger ftreckten fie ihre dürren Aefte
gen Himmel. Der Mond ftand blaß darüber, als ob auch
ihn dar Anblick in Schrecken verletzte.
Ich fah und fann: ich kannte ihn, der dielen Hof be¬
wohnte. Was war mit ihm gefchehen? ... Ein Käuzchen
fchrie durch die Nacht. Ich Ichrak auf. Der Wagen war
weit vor mir. Ich befchleunigte den Schritt. Aber feltfam,
vor jedem neuen Torweg hielt es mich gewaltfam zurück.
Jeder Hof erzählte diefelbe traurige Gefchichte. — In mehr
als einem war ich im verfloffenen Sommer frohgemuter Galt
gewefen.
Da lag die Schule. Auch fie eine Ruine. Nur von
meinem Schatten begleitet, fchritt ich einfam bis ans Ende
der Dorfftraße. Dann wandte ich nochmals den Blick zu¬
rück. Eine fchwere Traurigkeit legte fich auf die Seele, die¬
weil ich erkannte, daß Münfterberg ausgetilgt war. —
In Altonau, dem nächften Dorf, übernachteten wir. Ich
kehrte beim Dorffchulmeifter ein und ließ mir bruchftück-
weife berichten aus jenen Tagen, als „Väterchen Machno“
mit Tod und Verderben hier feinen Durchzug hielt.
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Wie gelähmt hörte ich zu und vermochte die wirbelnden
Gedanken nicht zu meiftern. Den Gefühlen ließ ich unge¬
hemmt ihr Wogen. Aber dann brach der Wille (ich Bahn,
und ich faßte mich. Die Nerven erzitterten, und ich empfand
ein dumpfes Tönen in mir, das mein Weh auslöfen wollte.
Tief ins Innere bohrte lieh der Schmerz über die vielen Opfer
der Heimat. Auch mein Freund war darunter. Unfaßbar,
ja unmöglich erlchien mir der
Source excerpts
[Mennonitentum in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas., Dr. Dietrich Neufeld, 1922. Книга описывает историю меннонитской общины Саградовки в Украине в период революции и гражданской войны 1919–1920 гг. Автор, меннонитский священник, детально излагает пережитые соб] Dr. Dietrich Neufeld Mennonitentum in der Ukraine Schicksalsgeschichte Sagradowkas 19 2 2 Digitized by the Internet Archive in 2019 with funding from John and Mary A. Yaremko Foundation https://archive.org/details/mennonitentumind00nava_0 Mennonitentum * in der Ukraine. Schicksalsgeschichte Sagradowkas. Von Dr. Dietrich Neufeld. 19 2 2 Selbstverlag. Emden, GroЯe OsterstraЯe 37. Alle Rechte Vorbehalten. Copyright by Dr. Dietrich Neufeld, Emden, GroЯe OfterltraЯe 37. Gedruckt in der Druckerei M. Wilkens, Emden. Von dens…