Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 11 (not an original page number)

Unit 11 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
vermochte ich in dielem Augenblicke mehr, als ich je geglaubt hätte. Der Gedanke, daß ich helfen, daß ich einen Ausweg finden muß, reißt mich heraus aus dem Gefühl der Hilfloligkeit. Ich glaube lelblt an mich. Ich kann meine Erregung zügeln, kann ihnen Trolt zufprechen, ohne wirklich zu willen, wie Hilfe gebracht werden kann, denn ein Wiederltand muß hier ebenlo nutzlos lein, wie Don Quichotes Kampf gegen die Windmühlen, Ich möchte mir gern den leelilchen Vorgang erklären. Es war wohl das dumpfe Gefühl: dies ift der Höhepunkt unlerer Leiden, weiter geht es nicht: mehr können wir leelilch nicht ertragen; jetzt muß es abnehmen; eine Entlpannung muß eintreten — - oder es gibt einen Ruck, und wir lind über die Grenze der Möglichkeit einer noch höheren Anlpannung hinaus . . . Aber ich habe in der Folge einlehen müllen, daß der Menlch mehr zu ertragen vermag, als er lieh im normalen Zultand vorftellen kann. Bald Itrömen polternd und fluchend neue Banditen ins Haus. „Aha“, triumphieren lie, „hier find wir im Haule eines Reichen. Wo ift der Hausherr?“ Mit erzwungener Ruhe er¬ kläre ich: Hier wohnt ein Lehrer, ein Mann im Dienfte des Volkes. Er ilt in Schulangelegenheiten nach der Stadt gefahren und hat bisher nicht zurückkehren können. Ich bin Mitbewohner dieles Haufes“. Sie glauben es nicht, zerftreuen lieh aber beutegierig in alle Zimmer. „Da ein Klavier! Wer Ipielt darauf? Hierher, ihr Dirnen, spielt uns vor!“ Die zweite Tochter des Haufes, ein tapferes Mädchen, Icheint niemand zu fürchten. Wahrlich, lie lieht heldüch aus, als sie, ihren Blicken trotzend, ans Klavier tritt Sie öffnet das erste zur Hand gelegene Notenbuch und spielt aus einer Bach-Arie, während staubbedeckt die wilden Gesellen rund herum Platz nehmen. Zurückgelehnt, die Beine vorgestreckt, hören sie mit verschränkten Armen einen Augenblick zu; dann aber springen sie auf mit dem sogenannten dreistöckigen Fluch von der genotzüchtigten Mutter Gottes. Einen frohen Tanz begehren sie, eine Polka Mazurka. Das Mädchen behauptet, keine Tanzmelodie spielen zu können. Sie 16 tritt zurück vom Klavier in furchtbarer Erregung, denn die Töne der Muiik greifen an die tiefften Tiefen der Seele und drohen die ieeliiche Spannung, mittels deren wir uns Beherrichung aufzwingen, zu löfen, was einer Verzweiflung gleichkommen muß. Alle Zimmer find angefüllt von Räubern. Die Gier nach Koftbarkeiten beherrfcht fie reitlos, und jeder will dem andern zuvorkommen. — Es wird Abend, und Licht begehren fie. Alan iieht fie in Gruppen am Büffet, wo fie Gläier herauslangen und am Fußboden zerichmettern. Wenn ein

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…