Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 12 (not an original page number)

Unit 12 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
Gegenhand iilbern auslieht, verfchwindet er in der Taiche oder dem Vorhemd. Andere fuchen den Bücherschrank ab. Die Bücher werfen fie von den Brettern oder ver¬ gnügen iich damit, fie aus den Einbänden zu ichleudern. Einer hämmert an der Nähmaichine; andere ichneiden das Tuch von der Sofapolfterung. Immer wieder werden Schränke, Kommoden und Betten durchiucht. In der Speisekammer und im Keller ift ein wüfter Tumult. Sie fordern dort in diefer Jahreszeit den ganzen Wintervorrat an eingemachtem Obit. Sie koiten von allen Speifen und werfen, was fie nicht aufeffen, zum Fenfter hinaus. Wir itehen dabei und denken: diefes oder jenes, was wir brauchen, bleibt vielleicht unbemerkt. Man hat bei der ftets uniicheren Zeit einige Veritecke, aber kein Raum, kein Eckchen bleibt verborgen. Schließlich £eht uns das in dieiem Augenblick nicht io hart an, Das Leben fteht auf dem Spiel. Dann wird der Beiitz wertlos. Wir wiifen auch, daß durch Einipruch gar nichts zu retten ift. Die hereinbrechende Dunkelheit veritärkt das drückende Gefühl. Es ift fchrecklich und unheimlich zugleich. Wir treten hinaus vor die Haustür und hören Schreien, Rufen, Schüffe, Wehklagen. Selbit die Tiere werden unruhig. Kühe brüllen, Schweine grunzen. Wäre erft die fchwarze Nacht vorbei! Da kommen zwei Reiter im geitreckien Galopp auf den Hof. Wüite Geiellen. Einer fteigt ab und tritt auf mich zu in einer Weife, als begehre er meinen Kopf. Er durchiucht meine Taichen, behält Melier, Uhr, Zündhölzchen und foricht lange, wer ich fei. Er iieht, daß ich der Vater dieier Familie nicht fein kann und verlaugt den Hausherrn zu fprechen. Er ift nicht hier. Aus den Augen des Inquiiitors bricht wilde 3 17 Wut. Er vermutet Vater und Söhne in den Reihen der Kadetten — {einer Gegner. Ich ioli dafür büßen. Zuvor {oll ich mit Namen nennen, wer als Freiwilliger bei General Denikin dient. Tatsächlich weiß ich keinen einzigen bei Namen, denn wenige Tage erit bin ich in dielem Orte. Man hält meine Auslagen für Ausflüchte und meinen Ausweis für gefähcht. Man droht mir den Tod an mit der zynilchen Redensart, mich in das Generalquartier Duchonins, eines im Kriege verhaßten und während der Revolution um¬ gebrachten Generals, zu befördern. Diefe Drohung wiederholen fie oft, damit ich die deutfchen Freiwilligen ausgäbe. Ich kann niemand nennen; Ichließlich tagen fie mir, daß lie mich zu Väterchen Machno bringen werden, der nicht lange zu fackeln pflege. Jetzt begreifen wir, wer diele unzähligen Horden anführt. Machno hatte Ichon als Verbündeter der Bollchewiki in dielem Ort fünf Wochen lang lein Quartier

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…