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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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gehabt. Es war im Sommer geweleu, als hier die Front gegen Denikin gehalten wurde. Schon damals hatten lieh leine Leute durch Roheit ausge¬ zeichnet. Bald nachher wurde er abtrünnig und Ichlug lieh dann lowohl mit den Freiwilligen als auch mit Bollchewiki. Aber alle loten Elemente der Ukraina halten zu ihm. Machno! Wer kennt nicht dielen Namen, der jedenfalls noch durch Gelchlechter hindurch als Schreckgeltalt in der Erinnerung fort¬ leben wird. Der Kriegs- nnd Revoiutionszuttand hat zu Taulenden Menlchen auf die Bahn des Raubes und des Mordes gedrängt. Sie alle halten zu ihm wie zu ihrem Räuherhauptmann. Machno will alle Kapitalisten mit dem Schwerte ausrotten. Ihm lind die Bollche¬ wiki, die wohl auch den Kapitalismus, aber das menlchliche Leben Ichonen wollen — jedenfalls im Prinzip — zu zahm. Seine Straße ift mit Blut belpritzt. Zu dielem Manne toll ich gebracht werden. Nach einiger Zeit kommen lieben Männer ins Haus um uns mit Drohungen zu quälen, denn zu rauben gibt es nun kaum etwas mehr. Ich begreife lehr bald, daß diele Wüttlinge mich aus dem Haute entfernen wollen, um die Frau und ihre drei erwachsenen Töchter allein im Haule zu haben. Nachdem lie mich lange mit Piltolen bedroht haben, geben lie mir Gelegenheit zu entfliehen. Allein wie hätte ich fliehen können, wenn die Ehre dieler Frauen auf dem Spiele Itand, 18 die lieh ausdrücklich unter meinen Schutz geiteilt haben ! Ich beichloß bei mir, nicht zu weichen, und wenn es das Leben koften tollte. Ich zwinge mich zur Ruhe, und verlaiie mich auf das Mittel, das mich vor einem Jahre rettete, als ich zum Erichießen ver¬ urteilt war. Ich habe damals erfahren, daß ich mit höchitem Geiftesaufwand die Mordwaffen unfchädlich machen konnte. Ich gehe alio mit der Waffe der geiitigen Konzentration bewußt zum Angriff vor. Ich zwinge ihnen suggestiv den Gedanken auf: Ihr tötet mich nicht! Den Gedanken, daß es für iie unmöglich Fei, mich zu töten, iteigere ich bis zur höchften Potenz. Ich fehe, wie die MordluFt nachläßt und werde um io itandhafter. Nun merke ich ganz deutlich, wie iie zahmer werden, wie iich menschliche Gefühle in ihnen zu regen beginnen. Und da lagt ichon einer, auf fein Gewehr iich lehnend, leiie hinter meinem Rücken: „Ihnen geichieht nichts“ Auch die anderen haben iich beruhigt bis auf einen. Er hält den Hahn an¬ gezogen und läßt mich nicht aus den Augen. Ich iage kaum ein Wort, aber feit und feiter ipanne ich den Gedanken: Du tuit mir nichts! Die anderen beginnen, auf den Mordluitigen einzureden, und am Ende beich ließt auch er, von mir abzuitehen. Beim Verlaüe

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…