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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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n des Hauies fragt er, ob ich um 4 Uhr morgens noch da fein würde. Ich verfprach es und ich hielt Wort. Aber jene kamen nicht. Die Nacht war ichauerlich! Der Schlaf floh uns, wiewohl wir alle ichon zwei Tage und eine Nacht in Aufregung gelebt und kaum etwas an Ehen zu uns genommen hatten. Wir vergehen es geradezu. Wir eritaunten, als eine halbe Stunde verging, ohne daß neue Banditen kamen. Wir verkrochen uns alle in die Kammer neben der Küche und laßen oder lagen vor Ermattung und laufchten. Daß wir die Nacht allein lein iollten, glaubten wir nicht. Es war Mitternacht und das leiieite Geräuich zu hören. Die erregten Frauen vernahmen Schritte und Pochen, auch wenn es nicht der Fall war. Die Räuber haben iich zur Ruhe begeben. Sie haben es nötig, auf Raub auszugehen, wenn es finiter iit. Wir finden ein paar Decken, breiten iie auf dem Fußboden aus und legen uns alle nebeneinander darauf. Gegen Morgen wird es kühl, die Nervenipannung läßt 19 nach, wir fröfteln, und machtvoll kommt die Müdigkeit. Es wird wieder hell, und niemand betucht uns. Wir begreifen die Stille nicht. Aber gegen 8 Uhr kommen wieder einzelne Trupps, die zu eben begehren. Sie mühen einiehen, daß uns für iie nichts mehr geblieben ilt. Statt Mitleid erregt daß nur Aerger nnd Wut gegen uns. Um 10 Uhr ertönen fchrille Pfiffe, und bald fehen wir durchs Feniter, daß iie abziehen wollen. Die Reiter [ammein [ich in Trupps, und ein eigen¬ artiges Bild bietet [ich uns. Die Drofchken find mit Raub vollgepackt. Die Leute haben Kleider an, die noch am Tage vorher in unleren Schränken gehangen haben. Große farbige Tiichdecken liegen unter den Sätteln, zu beiden Seiten hängen oft dicke Federbetten herab. Vereinzelt [prengen iie noch auf den Hof zurück, um möglicherweise noch einen goldenen Ehe¬ ring oder eine Uhr zu rauben, was jedoch meiit [chon vorher alles abgenommen ift. Mancher hat eine Hand voll Goldringe in der Tafche. Ein Geiicht hat [ich mir angenehm in mein Ge¬ dächtnis geprägt. Verlegen lächelnd kam ein junger, intelligent ausiehender Menfch heute morgen an unfere Verandatür und bat um ein Stück Brot. Er bat. Daß jemand bat und nicht verlangte, war uns befremdlich. Ich iah ihm ins Gehellt. Das war kein verkommener Menlch. Drum ging ich aut ihn zu und fragte, wer [ie eigentlich leien, denn geftern forfchte ich vergebens danach. Sie waren Anhänger Machnos, aber er ichämte [ich, auch darunter zu [ein. Die Not hat ihnen diefen Menfchen zugeführt. Er hat vor der Enticheidung gestanden, [ich von ihnen timbringen zu Iahen oder [ich anzufchließen. Er hat nie gedac

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…