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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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r den kleinen Dolch erblickte, den der finfter blickende Menfch bereit hielt, was wir anderen bisher überfehen hatten, erriet fie 21 die Gefahr und trat fchützend vor den Bruder. Da erhob er leine Hand und zückte den Dolch gegen fie. Nun begriff auch ich die drohende Gefahr und redete auf den Mordbereiten ein. Es gelang mir nur mit großer Mühe, ihn von feinem Mordplan abzu¬ bringen mit denselben Mittel wiegeftern: mit der Suggeftion, d. h mit dem Entgegenfetzen meines Willens, der feinen Willen von feinem Entfchluß entwaffnete. Wie vertriebene Beelzebuben wichen die finfteren Gefellen aus dem Haus. Es war bereits ihr zweiter Befuch, und fie drohten mit einer Wiederkehr. Ich konnte nun nicht mehr daran glauben, daß ich fie noch einmal würde hindern können, denn ich war zu sehr abgemattet. Die seelische Spannung war so groß gewesen, daß ich mich aus der Ermattung nicht nochmals zur früheren Stärke der Willenskraft hätte aufraffen können. Der Junge war von der unmittelbaren Todesgefahr so von der Angst gepackt worden, daß wir ihn kaum beruhigen konnten. Wir mußten an Flucht denken und das Haus preisgeben. Was nützte unsere An¬ wesenheit? Wir konnten doch nichts retten. So beschlossen wir, im Schutze der Gärten zu flüchten. Jeder raffte eilig ein Bünde! zusammen und dann stahlen wir uns davon. Kaum waren wir im Schutze der ersten Bäume, da kamen dieselben Gesellen abermals auf den Hof Wir sahen sie und fürchteten erkannt zu werden. Wir fühlten, daß uns der Tod auf den Ferien war. Ein paarmal glaubten wir uns verfolgt. Atemlos verharrten wir dann lange Minuten hinter Baumftämmen oder Büschen, bis wir überzeugt waren, daß die Bewaffneten, die uns gesehen hatten, in irgendeinem Hofe verschwunden waren. Plötzlich aber hörten wir deutlich in der Nähe ein Geräusch im Gebüsch. Mit fast erstarrtem Blut bleiben wir stehen und sehen uns an: mir scheint es jetzt in der Erinnerung, als hätte in den Augen der Frauen der Abschied vom Leben gelegen. Die bange Erwartung ließ die Minute zu einer Ewigkeit werden. So relativ ist auch das Zeitmaß. Wir haben nur eine relative Vorstellung vom Absoluten. S\att eines Schußes aber oder eines triumphierenden Rufes hörten wir auf einmal eine Flüsterstimme aus dem Busche, die zu uns in deutscher Sprache sprach: 22 „Verlaßt auch Ihr euer Haus“? Meine Schützlings erkannten die Stimme. Es war ein Nachbar aue unserem Ort. „Ich bin schon drei Stunden in dielem Versteck“, erzählte er leise. „Die Menschen, die bei mir über¬ nachteten, und denen wir zu essen gaben, was wir hatten, die in unseren Betten schliefen, s

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…