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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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ie wollten mich heute morgen erschießen. Der Schuß ging fehl Ich floh in die Gärten. Mich quält nun der Gedanke, was aus meiner Familie geworden ist. Haben Sie meine Frau und meine Kinder gesehen?“ fragte er angstvoll. Nein, wir hatten niemand gesehen. „Meine Stiefel“, erzählte er, auf seine bloßen Füße deutend, „mußte ich ausziehen und ihnen geben. Ich sollte mein vergrabenes Gold hergeben. Wir Deutschen sollen alles haben: Gold, Geld, Kleider — alles unbegrenzt viel“, fügte er bitter hinzu. Er versuchte, sich aufzurichten: er stöhnte. Sie haben seinen Rücken mit Knuten zerschunden, damit er versteckte Sachen hervorhole. Ich wandte mich ab, um meine Rührung zu verbergen. Was hat man vor mit uns? Wo ist Rettung? Ich sehe keine! Wir sind verloren! Wie Diebe müssen wir uns weiter fortltehlen. Lange kauern wir auf einer Tenne hinter einem Stroh¬ haufen, bis der Hof für einen Augenblick frei wird. Das Wohnhaus hindert den Ausblick nach der Straße. Im Haule Iteht eine Witwe mit zwei halb erwachseuen Kindern. Die Tochter belucht mein Seminar, und ich erkenne lie wieder, aber wie verändert ift lie! Auf ihren jungen Augen liegt ein namenloses Leid. Blaß und verltört lehen auch die anderen aus. Nie erlischt der Stempel des Leides aus dielen Gelichtern und wenn lie alt werden lohten. Oder lind wir alleiamt zu frühem Tode beltimmt? Unler Ziel ilt das Lehrerleminar, wo ein Lehrer wohnt, der ein naher Verwandter meiner Schützlinge ist, Wir mülien über die Straße gehen. Dort aber find die Anarchilten. Wir mühen es wagen. Niemand ipricht uns an. Wir lehen wohl wirklich nicht aus wie Bourgeois-Kapitaliften in unleren an Stachelzäunen zerrissenen Kleidern. Im Seminar kommen wir uns geborgen vor, denn nach dem entlegenen leeren Schulhaus lockt es niemand von den wilden Menlchen. In einem Keller- raum, der ein mattes undurchlichtiges Fenlterglas hat, wollen meine Schützlinge bleiben. Schmale Bänke Itehen darin. Darauf wollen lie Ichlafen. Mir bleibt nichts mehr für fie zu tun übrig, als mich von Zeit zu Zeit von meiner Wohnung hierher zu fchleichen und Ihnen Mut zuzulprechen. Ich höre die Mitternachtsftunde fchlagen. Zwei Stunden haben wir Ruhe gehabt. Ich will nun ver¬ gehen, auf meinem Bette, wenn auch in Kleidung, auszuruhen. * * Chortitza-Rosenthal, am 24. September 1919 Kein Menlch hat geltern daran gedacht, daß Sonntag war. Wir kamen garnicht zur Belinnung. Drei Tage lang ziehen die Anarchisten nun ichon durch unseren Ort. Viele Taulende sind vorbeige¬ kommen, und jeder hat geraubt. Man hat den Land¬ wirten kein einziges Pferd gelassen Und j

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…