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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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etzt sollte
die Wintersaat bestellt werden! Aber wer denkt an
seinen unbestellten Acker? Solange die Machno-
Leute bei uns sind, ist unsere einzige Sorge, das
Leben zu erhalten.
Die meisten sind so gefügig, daß sie wider¬
spruchslos ihre letzten Stiefel ausziehen und barfuß
gehen. Schwerer ist für die Bauern, zuzusehen, wie
man ihren Weizen wegholt, wie man das letzte Mehl
den Pferden verfüttert.
Am schlimmsten ergeht es den Familien, deren
Söhne in der sogenannten Freiwilligen-Armee des
Generals Denikin dienen. Da gibt es keine Schonung.
Gestern abend wurde ein Nachbarhof durch Feuer
zerstört. Man wußte, daß der Sohn in de F Jv/i h'geu-
Armee war. Es war ein großer Hof. Auf dem Boden
lag viel Getreide, das Wohnhaus war neu, Stail und
Scheune waren voll von Futter, Ackergeräten und
Maschinen, fch ging an der Brandstätte vorbei. Ich
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fah Bewaffnete am Tore und auf dem Hofe, die nicht
gehafteten, daß irgend etwas gerettet würde. So
wurden mehrere Häuler vortätzlich eingeätchert. Nachts
brannte das große [chöne Haus des Fabrikbefitzers ab.
Weithin leuchtete der helle Schein.
Aber weit [chlimmere Dinge getchehen. Männer
werden erichlagen, Frauen gefchändet.
Gerüchte lind im Umlauf, daß die Zahl der
Anhänger Machnos lawinenartig wächtt. Man fpricht
von 100000 Mann. Sicherlich wihen diele unorgani-
[ierten Anarc Olten [elber nicht, wieviel ihrer lind.
Daß es viele Taulende find, [eben wir, denn während
drei Tagen ziehen lie ununterbrochen durch unteren
Ort über die Dnjeprbriicke. Dreimal vierundzwanzig
Stunden lind wir nicht aus den Kleidern gekommen,
haben nicht geruht. Wir lind todmüde, aber tobald
der Hund bellt, [chnellen wir aut und lauschen auf
nahende Schritte.
In der letzten Nacht waren fie viermal an unterem
Haute. Mein Freund und leine Frau verliehen lieh
darauf, mit ihnen zu verhandeln Zweimal > kauften
tie lieh von einem nächtlichen Betuch los durch ein
Paar Holen. Zweimal konnten tie ihn nicht verhindern.
Fürchterlich itt ihr Betuch am Tage, aber noch un¬
heimlicher itt ein nächtlicher Ueberfall. Wir hatten
kein Oel zur Beleuchtung, und to tappten lie polternd
und fluchend durch die Zimmer. Sie zündeten Streich¬
hölzer an und warfen Sie brennend in die Betten und
Schränke. Wir gingen hinterher und achteten darauf,
daß kein Feuer entband.
Es itt tchwer für die Eltern, vor ihren Kindern
aufrecht zu bleiben Die Kinder merken allmählich,
daß die Eltern ebento machtlos lind wie tie. Das
kleine achtjährige Mädchen fteht zwilchen uns am
Fentter, als wir auf Tritte lautchten. Ich fühle ihr
Herz ängltlich klopfen, während wir mit größter A
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…