Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 18 (not an original page number)

Unit 18 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
etzt sollte die Wintersaat bestellt werden! Aber wer denkt an seinen unbestellten Acker? Solange die Machno- Leute bei uns sind, ist unsere einzige Sorge, das Leben zu erhalten. Die meisten sind so gefügig, daß sie wider¬ spruchslos ihre letzten Stiefel ausziehen und barfuß gehen. Schwerer ist für die Bauern, zuzusehen, wie man ihren Weizen wegholt, wie man das letzte Mehl den Pferden verfüttert. Am schlimmsten ergeht es den Familien, deren Söhne in der sogenannten Freiwilligen-Armee des Generals Denikin dienen. Da gibt es keine Schonung. Gestern abend wurde ein Nachbarhof durch Feuer zerstört. Man wußte, daß der Sohn in de F Jv/i h'geu- Armee war. Es war ein großer Hof. Auf dem Boden lag viel Getreide, das Wohnhaus war neu, Stail und Scheune waren voll von Futter, Ackergeräten und Maschinen, fch ging an der Brandstätte vorbei. Ich 24 fah Bewaffnete am Tore und auf dem Hofe, die nicht gehafteten, daß irgend etwas gerettet würde. So wurden mehrere Häuler vortätzlich eingeätchert. Nachts brannte das große [chöne Haus des Fabrikbefitzers ab. Weithin leuchtete der helle Schein. Aber weit [chlimmere Dinge getchehen. Männer werden erichlagen, Frauen gefchändet. Gerüchte lind im Umlauf, daß die Zahl der Anhänger Machnos lawinenartig wächtt. Man fpricht von 100000 Mann. Sicherlich wihen diele unorgani- [ierten Anarc Olten [elber nicht, wieviel ihrer lind. Daß es viele Taulende find, [eben wir, denn während drei Tagen ziehen lie ununterbrochen durch unteren Ort über die Dnjeprbriicke. Dreimal vierundzwanzig Stunden lind wir nicht aus den Kleidern gekommen, haben nicht geruht. Wir lind todmüde, aber tobald der Hund bellt, [chnellen wir aut und lauschen auf nahende Schritte. In der letzten Nacht waren fie viermal an unterem Haute. Mein Freund und leine Frau verliehen lieh darauf, mit ihnen zu verhandeln Zweimal > kauften tie lieh von einem nächtlichen Betuch los durch ein Paar Holen. Zweimal konnten tie ihn nicht verhindern. Fürchterlich itt ihr Betuch am Tage, aber noch un¬ heimlicher itt ein nächtlicher Ueberfall. Wir hatten kein Oel zur Beleuchtung, und to tappten lie polternd und fluchend durch die Zimmer. Sie zündeten Streich¬ hölzer an und warfen Sie brennend in die Betten und Schränke. Wir gingen hinterher und achteten darauf, daß kein Feuer entband. Es itt tchwer für die Eltern, vor ihren Kindern aufrecht zu bleiben Die Kinder merken allmählich, daß die Eltern ebento machtlos lind wie tie. Das kleine achtjährige Mädchen fteht zwilchen uns am Fentter, als wir auf Tritte lautchten. Ich fühle ihr Herz ängltlich klopfen, während wir mit größter A

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…