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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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n¬ spannung hinaustehen. ,,Da, Vater!“ ruft tie und klammert lieh krampfthaft an meinen Freund. Eine Gettalt geht am Fentter vorbei. Atemlos verleben wir eine, lange bange Minute der Erwartung — und dann erfolgte der ertte Schlag an der Tür. Obwohl wir ihn erwarteten, ertchrecken wir dennoch to, daß wir zunächtt nicht wagen, an die Tür zu gehen. Als aber 4 25 die Schläge an Zahl und Stärke zunehmen, eilen wir, die Tür zu öffnen, um die Wut der Eindringlinge nicht zu fteigern. krau Grete, die Gattin meines Freundes, §hat geftern den ganzen Tag gekocht für die ungebetenen Gäfte. Das Mehl ging aus, und io mußte geknetet und gebacken ,werden. Niemand’vwill lieh abweiien laffen. Sobald drei oder vier Mann ins Haus kommen, erteilen iie zuerit den Befehi, ihnen eine Mahlzeit zu bereiten, und wenn iie “auch vor einer halben Stunde im Nachbarhauie gegeben haben. Sie find gefräßig wie die Heuichrecken. Frau 'lü. an der ] Hauptitraße hat jetzt 50 Mann Einquartierung, die iie zu füttern hat Daneben muß iie feit einigen Tagen täglich 5 Pud Mehl (ca. 80 kg.) verbacken. Frau Gretes Bruder mußte während der zweiten Nacht mit feiner Familie fliehen, weil fein Sohn unter den Freiwilligen ift Wir wiiien n cht, wo iie iich aufhalten. Sicherheit gibt es nirgends, denn dieie Anarchilten haben es auf alte deutichen Hofdörfer abgeiehen. Das Haus der geflüchteten Familie iit der Willkür preisgegeben. Es geht dort wie im Bienenhaufe, nur mit dem Unterichiede, daß nicht hinein-, iondern hinausgetragen wird. Da ichleppteiner an einem Bündel Kleider, dort wirft jemand Stühle durchs Feniter auf die Straße. Ein dritter führte die Kuh davon. Die fetten Schweine wurden geitern auf dem Hofe geichlachtet Als Frau Grete davon hörte, war iie verwegen genug, um hinzugehen um vom gefchlachteten Schweine etwas zu retten. Wie ein armes Weib verkleidet, drängte iie iich an den Fleiichtiich. ,,Her damit“, ruft iie, ,,hier gibt es etwas für die Armen!“ und ichob einen Schinken in de s Sack. Darauf ichickte iie einen 15jährigen jungen hin, den iie lehrte, wie er iich zu benehmen hätte, und er holte herüber, foviel er tragen konnte. Der kleine Ruiienjunge iit uns lehr zugetan. Das Abenteuer reizte ihn. und noch etliche Male ging er hinüber, um auch Sachen für die geflüchtete Familie zu retten. Schwierig war es, das Gerettete den Späheraugen der Räuber zu verbergen. Wie einen Sack Spreu ichleppte der junge die Sachen in den Kuhitall, wo wir dann einen Sack mit Kleidern und etwas Wäiche in der Spreu vergruben. 26 Ich habe einige mir wertvolle Sachen am Abend unter den

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…