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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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tional und anti-ruffifch
gefinnt waren, glaubten gar, daß der Tag der Rache
für die Plünderung im vergangenen Sommer ge¬
kommen fei. Doch hatten fie bisher niemand ein
Leid angetan. Wohl haben fie die Okkupationstruppen
unterftützt und manchmal törichterweife Führer aus
früheren Revolutionsphafen angegeben.
Die ukrainifche Bauernbevölkerung verfteht die
hochgepriefene Freiheit im anarchischen Sinne. Sie
halten Freiheit einer Zügellofigkeit gleich. Und da
auch die Bolfchewiki in das Chaos der Oktober-
Revolution Ordnung hineinzubringen verfuchten, ja
fogar zum direkten Gegenteil der individuellen Freiheit,
zur Diktatur, ihre Zuflucht genommen haben, fo
lehnen die ukraimSchen Bauern auch die Bolfchewiki
ab, befonders da die Bauern außer der Landeinteilung
keinen weiteren Kommunismus wünfchen. Die Willkür
aber hat Väterchen Machno aufs Panier gefchrieben,
darum fchließen fie fich ihm an. Wie mühelos kann
man da zu Kleidern und Besitz kommen! Es bedarf
doch wahrlich keines Heldentums, mit der Waffe in
der Hand den Wehrlofen auszurauben.
Welcher Zukunft gehen wir entgegen?
*
*
•*
28
Chortitza-Rolenthal, am 1. Oktober 1919
Machno toll über die Dnjeprbrücke hinweg ins
Taurüche Gouvernement gerückt lein, und die Richtung
nach Berdjank eingelchlagen haben. Dann trifft er
auf die 100 deutlchen Hofdörfer in der reichen
Molotlchnaja-Gegend. Auch lie lind lomit der zügel-
lolen Willkür preisgegeben.
Bei uns geht die Anarchie weiter, wenn auch die
Machno-Anarchilten fort lind. In den benachbarten
ukrainilchen Dörfern haben lieh größere und kleinere
Banden gebildet, die nach dem Multer der Vorgänger
offen ihr Erprellungswelen weitertreiben. Sie legen
Kontributionen auf, die wir nicht zahlen können und
greifen zuflnquilitionsmitteln oder Erlchießungen. Sie
wollen nicht begreifen, daß bei uns garnichts mehr
zu holen ilt, besonders auch Ichon deshalb nicht, weil
die Mühlen- und Fabrikbelitzer, als sichere Todes¬
kandidaten, lämtlich geflohen lind. Diele Hyänen des
geräumten Schlachtfeldes lind aber falt noch grä߬
licher als die Machno-Anarchilten. Sie nehmen Geileln
mit und martern lie.
Heute Itand meine Schülerin, eine 18jährige
Seminariltin, vor mir und beitätigte mit Itummem
Nicken, was ich bereits gehört hatte, Ihr Vater, ein
angelehener Bürger, der lieh viele Verdienlte um diele
Ansiedelung erworben hat, wurde als Geisel mit¬
genommen, und nun liegt er tot jenleits der Dnjepr¬
brücke. Die Söhne wollten die Leiche herüberholen,
um sie zu bestatten. Mit Schimpf wurden sie davon¬
gejagt. Wahrlich eine Sophokles-Tragödie!
Gestern besuchte uns ein Sparkassenbeamter. Er
zeigte uns s
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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…