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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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einen geschundenen Leib. Man gerät in
Wut angesichts solcher Barbarei.
Aber wir sind machtlos aller Willkür preisgegeben.
Der leiseste Widerstand würde unsere Lage nur noch
verschlimmern. Hin und wieder sind Männer unter
uns, die ahnungslos nur durch ruhige Haltung, durch
ein Wort zur rechten Zeit und einen zähmenden
Blick hier und da ein Uebel abwenden können. Viele
beklagen ihre Toten, die erschlagen wurden, andere
irren obdachlos von Ort zu Ort.
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Auf der Inself haben die Banden eine richtige
Bartholomäusnacht veranstaltet. Wer nicht umkam,
mußte fliehen. Kein Deutscher ist mehr in dem
ainst so rein deutschen Inseldorf.
*
*
*
Chortitza-Rolenthal, am 3. Oktober 1919.
Wir lind rettungslos verloren. Alle Straßen lind
voll. Der Strom der Machno-Anarchilten flutet zurück.
Sie werden über die Dnjeprbrücke auf das rechte Ufer
zurückgedrängt. Wer treibt fie? Welche Macht?
Niemand weiß es. Die Wut der Zurückgefchlagenen
ilt groß. Und wir Folien fie wieder fühlen. In den
deutfchen Dörfern um den Brückenkopf herum ftaut
fich der Strom diefer regellofen vieltaufendköpfigen
Menge, die nur durch gemeinfame Gier nach Raub
zulammengehalten wird.
Wir entließen nach dem Eintreffen diefer Menfchen
ralch alle Seminariften und jeder eilte zu feiner Familie.
Welche Ausficht! Nicht durchziehen, fich hier
feftfetzen wollen diele Heere! Alle Häufer werden in
Belitz genommen. Auf den Höfen wimmeln die
Bewaffneten wie Ameifen durcheinander.
Wir ftanden vor der Tür am Zaun und fahen
hinunter auf die Höfe. Plötzlich brach hinter uns
der Grenzzaun krachend ein; ein Reiter zwang fein
Pferd durch die enge Pforte und riß den Eckpfahl
nieder. Dann faßte er die Knute und hieb auf das
arme Tier ein und zerrte dann an den Gebißzügeln,
als wollte er das Maul des armen Tieres entzweifägen.
,,Holt Kleider heraus!“ fchrie er laut und wild.
Meines Freundes Befänftigungsverfuche konnten ihn
nicht abbringen von feinem Begehren. Schweren
Herzens gab er die letzten Refervehosen her. Unter
uns hören wir Fenfterfcheiben klirren, Türen knallen,
Pfiffe gellen. Pferde wiehern und Höhnen, Kühe
brüllen. Wilde Menfchen reiten durch die Gärten,
brechen Bäume und Zäune nieder, rufen, fchimpfen,
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fluchen. Jeder Hauswirt ift Diener und Sklave der
geftrengen Herren. Diele feiern wülte Orgien mit
Gebrüll und Hohngelächter.
Sie befehlen: „Wirt, hol „uns Futter für die Pferde!
Geh’ und luche Heu und Hafer, wenn du lelber nichts
halt“! Sie zwingen wahrlich noch zum Stehlen.
Freilich, niemand von uns wird dem Nachbar wehren
oder es ihm übel nehmen.
Die Frauen kochen und backen für die Gält
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…