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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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dazu überreden. Es ist dunkel, kalt und schmutzig draußen. Er muß seine Gemeinde verlassen, und sich wie ein Dieb in der Nacht durch Schluchten und Täler fortstehlen. Ich weiß, er wird sich weigern. Aber er kann uns nichts nützen, denn man schont sein Leben sicher nicht Hoffentlich kommt er ungesehen fort. 32 Chortitza-Rolenthal, am 8. Oktober 1921. Noch ehe es Nacht wurde, füllte lieh unler Haus von neuem. Wir ließen den Aeltelten durchs Fenlter Iteigen, und dann ift der alte Mann in die finitere Nacht gegangen, watend im tiefen Schlamm, der lieh nach dem Herbitregen falt knietief gebildet hatte. Ich wagte mich heute auf die Straße. Niemand von der heimilchen Bevölkerung ilt mir begegnet. Man wagt es nicht. Die Straßen lind lehr belebt Aber es lind nur Anarchien, die von einem Hof zum anderen gehen. Reiter Iprengen auf dem Bürger¬ lteige dahin, als wäre jeder ein Meldereiter. Ich lehe ihnen mit meinen Wickelgamalchen offenbar ähnlicher, als die Kolonilten in ihrer ärmlichen Kleidung; denn keiner hält mich an. Ich paßte mich übrigens ihrem Gebahren an. Ich Iah lo frei drein, daß ein paar Anarchien grüßten. Ich hatte Schuhe an und war raliert, was man an den Kolonilten nicht beobachten kann. Ralierrneller und Schuhe lind allenthalben zuerft geltohlen worden. Heute war unler Nachbar W., den ich leit vierzehn Tagen nicht Iah, bei uns. Ich erkannte ihn kaum. Grau ilt er geworden. Frau Grete kam heute auf eine verwegene Idee. Ihre Kuh lilt geltem geltorben. Der kleine Rullen- junge hat gelehen, daß im Stalle ihres geflüchteten Bruders noch eine Kuh Iteht. Frau Grete kleidete lieh an wie eine arme Bettierfrau und ging mit einem Sack über der Schulter in das ■) Haus ihres* Bruders. Dort trat lie vor den Bandenführer und redete ihn an: „Höre, ihr Itreitet doch für die Armen, nicht wahr? Ich bin eine arme Frau, und möchte in den Belitz einer Kuh kommen. Gebt mir die Kuh heraus, die hier im Stalle Iteht“! „He du“, erwiderte jener, „die Kuh behalten wir; aber du kannlt lie täglich melken. Dafür nimmlt du dir etwas Milch mit tür deine Kinder“. Frau Grete wußte, daß die Kuh ebenlo gut morgen Ichon ver¬ schwunden lein konnte wie auch dieler Mann. Sie ging in den Stall und entführte die Kuh. Als man ihr nachrief, erwiderte lie kühn: „Ich nehme lie mit und melke lie zu Haule, ihr trinkt ja doch die Milch, wo immer ihr leid“! « 33 Jene lachten: „Teufelstochter“! Der freche Diebltahl flößte ihnen Ächtung ein. Sie ahnten nicht, daß Frau Grete ihrem Bruder die Kuh retten wollte. Nachmittags. Ich war im Seminarkeller bei meine

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…