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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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n Schützlingen. Sie find nicht entdeckt worden, aber nun merken wir, was alles ihnen fehlt. Am Tage nach der Flucht war ich mit einer Tochter im Haufe, um einige nötige Sachen zu holen, aber wir fanden nichts mehr, das in der Tat von Nutzen gewesen wäre. Es war keine Decke mehr vorhanden. Heute nun erzählen fie mir, daß auch ihr Haus in Schutt und Afche läge. Traurig ließen fie den Kopf hängen. Obdachlos! Und der Winter ift vor der Tür. Es wird fchon kalt draußen Der Familien¬ vater ift nicht da. Das ift das Schickfal vieler. Wen wundert es, wenn viele diefer Unglücklichen -sterben wollen? Und der Kampf am Dnjepr dauert noch an. Jene drüben können nicht herüber kommen und diefe nicht hinüber. Die Anarchisten fetzen fich feft auf diefer Seite. Selbft Fernfprecher haben fie mitgebracht, ln unferem Haufe ift eine Fernfprechftelle errichtet. 8 Mann Bedienung find dabei. Man wird aus ihrer Sprache nicht klug, denn fie bedienen fich verein¬ barter Kennworte, die ihre Unterhaltung für uns unverständlich machen. Wie fehr wir auch die Ohren fpitzen, wir erraten den Sinn nicht. Mein Freund erzählt mir, daß die Telefonilten ihn nach mir ausgefragt hätten. Mein Ausfehen hat fie befremdet. Ich trage ausländische Kleider und einen Filzhut. Mein Freund hat ihnen gefagt, der Mann, deffen Ausfehen fie fo befremdet hätte, fei ein Schriftfteller. „Alfo ein Dichter“, hat der Kommandant wichtig betont. Seither begegnen fie mir mit Achtung. Wir haben nicht geahnt, daß ein Dichter in ihren Augen als etwas befonderes galt. Die Telefonisten meinen, gebildet zu fein, weil fie fchreiben und lefen können. Sie sehen offenbar ein, daß fie uns durch brutales Auftreten nicht imponieren und wollen als intelligent gelten. Das muß ich mir zunutze machen. * * 34 Chortitza-Rofenthal, am 10. Oktober 1919. Man könnte lachen, wenn alles um uns herum nicht lo tragifch wäre! Ich loll ein Gedicht auf Machno machen! Das haben unfere Telefoniften gewünfcht. Sie haben es nicht mir gefagt, fondern meinen Freund gefragt, ob ich wohl dazu bereit fein würde. Sie [teilen fich vor, Väterchen Machno mühe auch mir als Held erscheinen. Sie wollen das Gedicht Väterchen überreichen und dann feiner besonderen Gunft ficher fein. Mein Freund hat es ihnen auszureden verfucht. Ich fchriebe nur deutfch, hat er gefagt. Das wundert fie : fie hätten geglaubt, daß ich ebenfo gut ruffifch fchriebe wie ich fpräche. Sie hätten mich fehr darum gebeten. Es tagte aber niemand etwas zu mir, und ich benehme mich, als wüßte ich nichts von ihrer Unter¬ redung mit meinem Freunde. Geftern machte i

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…