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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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ch mir etwas auf dem Hofe zu
fchaffen, denn es wird einem faft unmöglich, etwas
zu lefen oder zu fchreiben: die innere Spannung ift
zu groß. Die Gedanken jagen wie gehetzt im Gehirn
herum. Da fucht man sich irgendeine Handarbeit ;
das beruhigt am eheften. Diesmal mühte ich mich,
das Fell der verendeten Kuh über eine Stange zu
fpannen und im Schuppen aufzuhängen. Das Iah der
Kommandant. Er eilte herbei, grüßte und half bereit¬
willig. Ich war verdutzt. Das hätte ich von folchen
Menfchen nicht erwarten können nach ihrem bis¬
herigen Benehmen. Wir kamen in ein ruhiges
Gefpräch, wobei er meine Anfichten gelten ließ und
mich nie dutzte, wie es diele Leute noch immer tun.
Ich bekam den Eindruck, daß diefer Mann an fich
keine verbrecherifche Natur ift. Er erzählte mir von
feinem Vorleben. Er ift Kofak. Während des Krieges
hat er fich wiederholt ausgezeichnet durch feine Tapfer¬
keit. Er war Unteroffizier und ift dann Feldwebel
geworden. Aber nach und nach ift ihm die Korrup¬
tion der Offiziere und Beamten zum Bewußtfein
gekommen. — Nach dem Ausbruch der Revolution
war er Vorfitzender der Kreisfowjets in feiner Heimat
am Don. Er handelte nach den Direktiven aus der
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Zentrale und glaubte, dem Volke zu dienen. — Nach
dem Abzüge der Deutlchen aus der Ukraina bildete
fich in ihrer Gegend die Armee des Generals Denikin.
Sie ließ eine fürchterliche Racheexpedition übers
Land gehen. So wurde auch er als ehemaliger Vor-
fitzender der Sowjets feltgenommen und von Offizieren
zu 80 Hieben mit dem Ladestock verurteilt. Nur dank
feiner ungemein kräftigen Konftitution überftand er
diefe Marter, aber den Offizieren und ihren Anhängern
schwor er ewige Rache und wird ohne Zaudern
dabei geriet er in Eifer — jeden Offizier, den er
findet, erschießen.
Ich fragte, ob er es gut heiße, daß man alle
fchönen und guten Häuser verbrenne, nur weil An¬
hänger des alten Regimes darin gewohnt haben
mochten. Es fei doch eine törichte Vernichtung des
Volksvermögens. Nein, er hieß folche Zerftörung
nicht gut, aber ihre Leute wären nun einmal nicht
zu zügeln.
Ich kann das pfychifche Verhalten diefes Mannes
verftehen, aber ich muß die Konfequenzen feines
Handelns verurteilen und ihn deshalb für verirrt halten.
Wären alle Machno-Anhänger wie diefer, man könnte
verfuchen, fie umzuftimmen Diefer hörte auf das,
was ich ihm fagte und folgte meinen Ausführungen.
Ich bat ihn, feine Kameraden doch zur Einsicht zu
bringen. Er schien von der Möglichkeit, die Raub¬
und Mordlust zu dämpfen, nicht überzeugt zu fein.
Mag fein, daß auch ihm noch zu fehr Bedürfnis ift,
Rache zu üben. Sei
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…