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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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Frau Grete zurück und war traurig, denn lie hatte die Summe nicht zulammen- gebracht; jeder ilt bis aufs letzte ausgeraubt. Wie froh 37 war fie, als ich ihr erzählte, daß mein Geld aus¬ gereicht hätte. Nun haben wir wohl eine Kuh; aber die Hühner haben he uns weggeholt. Es waren junge Hühnchen, die trotz der kalten Witterung fleißig legten. Die tapferen Helden haben folgendes Verfahren beim Hühnerfang erfunden. Sie hauen mit ihren Säbeln den armen Tieren die Beine ab oder verwunden he auf andere Art und kommen dann mit ihrem Wildbret zur Wirtin, die ihnen einen Hühnerbraten oft mitten in der Nacht bereiten muß. Aber auf Eier verzichten he trotzdem nicht! Uns regen all diele Dinge fait mehr auf als der Tod der Menlchen; denn die Toten lind aller Leiden enthoben. Manch einer beneidet he. Wir brauchen, iolange wir leben, Lebensmittel. Damit geht es aber allenthalben raich zu Ende. Es wird von Tag zu Tag ichwieriger, uniere Peiniger zufriedenzuitellen. Je mehr die Frage der Ernährung lieh zufpitzt, defto ungehaltener und wilder werden he. Es iit kaum zu vergehen, daß fie kein Einiehen haben. Sind he wirklich vertierte Menichen? Sie glauben, wir halten noch Lebensmittel ver- Iteckt. Wie follte uns das möglich fein? Sie gehen durch alle Zimmer, ichauen in alle Schränke; fie iteigen unter das Dach und in den Keller. Holten he nicht neulich den Reit von Fleifch aus unierem Keller? „Koch uns dasM, befahlen he der Wirtin. Frau Grete iit nicht io ängitlich wie die meiiten Frauen. Sie er¬ widerte: „Ich koche euch nicht alles auf einmal. Die Hälfte genügt für heute. Das übrige follt ihr morgen haben.“ „Wir denken nie an morgen“, geben jene zurück, „drum bereite uns alles noch heute zu. Koche eine Fleifchiuppe und gib uns einen reichen Braten. Das befehlen wir.“ Auf „befehlen“ lag der Ton. Einficht predigt man iolchen Leuten vergebens. Frau Grete regt fich auf über dieien Unveritand. Sie begreift nicht, daß io viel Fleiich gegeben werden kann. Ich veriuchte es ihr veritändlich zu machen. Die reißenden Tiere freüen viel Fleiich, die fried¬ lichen Kühe und Pferde freüen Gras. 38 Frau Grete hatte [ich nicht geirrt Am nächften Tage brauchten die Anarchisten tatfächlich kein Fleifch. Sie haben lieh übergehen und liegen und höhnen. Aber am übernächften Tage wollen fie wieder einen Braten haben. Es nützt kein Fluchen, Frau Grete kann kein Fleilch befchaffen. Sie landten dann einige ihrer Komplizen aus; die brachten nach einiger Zeit ein halbes Dutzend Hühnchen. Frau Grete mußte ge- horfamft zu ihren Dieniten fein und| einen Braten daraus mac

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…