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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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hen . . .
Vierzehn lange Tage ertragen wir nun fchon diele
Plage. Die ununterbrochene Erregung macht uns
ganz flügellahm. Unfere Energie reicht kaum mehr
aus, jeden Tag von neuem zu hoffen. Jeden Morgen
treten mein Freund, feine Frau und ich zufammen
und befprechen unfere Lage. Nach unferer Berech¬
nung können fie fich nicht mehr halten, denn es
gibt einfach nichts mehr zu effen. Aber die Anar¬
chisten rechnen anders. Sie fchlachten Kühe, die in
einigen Wochen kalben follen. Sie fenden Expeditionen
in alle deutfehen Hofdörfer und holen Brot oder Mehl
herbei. — Ja, wir können uns der Erkenntnis nicht
verfchließen, daß diefe Räuber den Hungertod nicht
fterben werden, folange es noch irgendwo Brot zu
rauben gibt. Wir kommen allerdings fehr bald ans
Hungern. Die meiften der unferigen effen jetzt fchon
nur noch Kartoffeln. Unfere Körperkraft nimmt ab.
Ich merkte es heute, als ich ein?paarJBlrnbäume im
Garten umhieb, um fie zu Brennholz zujzerkleinern.
Ich mußte oft ausfetzen, um auszuruhen.
Unfere Rettung kann nur durch eine Verfchiebung
der Kampffront kommen. Jeder anwachfende Kanonen¬
donner und jedes gefteigerte Knattern der Gewehre
macht uns Mut zu hoffen. Es ift uns gleichgültig,
wohin die Front fich verfchiebt, wenn fie nur über
uns hinweggeht.
Jene drüben haben einel beffere Artillerie; aber
der Strom ift ein zu großes Hindernis Es ift nicht
leicht, herüber zu kommen und Batjko Väterchen)
Machno ift liftig und hat ergebene Leute. Seine
Scharen mehren fich tagtäglich. Die Ausficht, nach
Belieben zu plündern, lockt^viele herbei. Man fpricht
von hunderttaufend Mann. Sicher ift dies ein Gerücht,
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das übertreibt; aber daß es ihrer viele sind, sehen
wir: Drei Schritte vom Haus begegnet man ihnen
schon gruppenweise. Es sind bezeichnenderweise fast
ausschließlich Bauern. Die Industriearbeiter find nicht
Anarchisten. Sie erkennen eine gewisse Organisation
an und halten zu den Bolschewiki oder anderen
sozialistischen Parteien. Die bäurischen Willkür-
Anarchisten suchen sich in diesem Aufstand mit
Kleidung zu versorgen. Ohne Zweifel sind die Bauern
in der Ükraina in großer Not. Die Bauern in Groß-
Rußland lebten von je her ärmer und versorgten sich
selbst: sie webten Leinwand und nähten sich Kleider
daraus. Für den Winter verfertigen sie aus Schaf¬
fellen Pelze und flechten Bastschuhe aus Baumrinde.
Diese Art sich zu kleiden, war im Norden jedenfalls
in einem gewissen Umkreis von Moskau noch üblich.
Daher mag es kommen, daß der großrussische Bauer
sich ruhiger verhält. Der ukrainische Bauer auf der
fruchtbaren Scholle war ein reicheres Leben und
bessere
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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…