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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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Kleidung gewöhnt. Daher entbehrt er jetzt
die Fabrikerzeugnisse weit mehr als der Großrusse.
Außerdem ist ohne Zweifel der ukrainische Bauer
rebellisch geworden durch den ewigen Regierungs¬
wechsel. Hat er nicht seit zwei Jahren fast mit jedem
Neumond auch eine neue Regierung, die mit dem
Mondwechsel^ wieder verschwindet? Bei ihm kann
nicht bald eine Regierung aufkommen, die eine
Autorität :* gewinnt. Es sind' gewisse sittliche Begriffe
ins Wanken gekommen, die die Voraussetzung einer
jeden Staats- und Regierungsform sein müssen.
Die Massen sind sich ihrer Macht bewußt geworden,
nur haben sie nicht gelernt, diese Macht zu gebrauchen
als eine Macht der Ordnung und Organisation. Einst
jubelten* sie den Bolschewiki zu, denn sie erlaubten,
vom Land Besitz zu ergreifen. Aber da auch jene
eine Organisation durchzuführen versuchten und gar
noch auf dem Wege der Diktatur ihre Ordnung durch¬
zudrücken begannen, da wurden sie ernüchtert. Nun
warben die ukrainischen Nationalisten und die Anar¬
chisten um sie. Die Weissen wollten ihnen ihren
Willen aufdrängen. Machno, der Listige, versteht die
Bauern zu gewinnen. Land und Freiheit war die
Losung der Bauern von je her. Das Land haben sie
imlBesitz. Sie denken nicht daran, daß die Willkür
auch einen jeden von ihnen treffen kann.
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Chortitza-Rolenthal, am 15. Oktober 1919.
Geltern belachte ich unlern alten Nachbar. Er ist
ein penlionierter Lehrer, der freilich keine Pension
mehr bezieht, Feit alles drnnter und drüber geht. Es
ilt ein Ichweres Leben für den alten Mann, der 35 Jahre
lang einen Ichweren Beruf ausgefüllt hat. Nun muß
er darben. Sein Haus wird ganz belonders Ichwer
heimgelucht. Wiewohl man vielmals leine Räume durch-
lucht und alle Pelze und warmen Kleider entwendet
hat, begehren lie alle Tage neue Schätze von ihm.
Seine Töchter hatten im Garten lilberne Löffel ver¬
graben, und leitdem lie gefunden worden lind, läßt
man nicht nach, ihn zu quälen mit allen Mitteln.
Geltern Itellten diele verlotterten Buben mit dem ehr¬
würdigen Mann wieder ein Verhör an. Er Sollte den
Verlteck von Gutsbelitzern angeben. Er hat tatsächlich
keine Ahnung von ihrem Verbleib. Man wollte ihn
als Hehler erlchießen. Man fjtelltey hn an die Wand,
das Gelicht der Wand zugekehrt. Dann ließ man die
Gewehre knacken, ohne zu Schießen. Sie erzeugten in
dem Manne eine qualvolle Todesangst, nur um ihn
gefügig zu machen. Sie erlchossenUhn nicht, aber
leine Nerven lind lehr Itark mitgenommen. Während
der Greis mir lein Erlebnis erzählte und lichtbarlich
durch meine Teilnahme Erleichterung fand, begann lieh
das Haus von neuem zu füllen.
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…