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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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Man hatte den Ein¬ druck, daß diele neuen Ankömmlinge wieder etwas im Schilde führten. Mit besonderer Neugierde wurde ich aufs Korn genommen. Ich merkte, daß lie in mir einen Gegner vermuteten. Ich trotzte ihren forschenden Blicken, war aber Schließlich doch erltaunt, daß nie¬ mand mich in Verhör nahm. Heute erfuhr ich, daß ID lieh nach meinem Fort¬ gang angelegentlich nach mir|erkundigt haben. Sie glaubten beltimmt, in mir einen Offizier zu erkennen. Der alte Mann hat ihnen erklärt, daß ich ein Gelehrter war, Aber lie haben es wohl nicht geglaubt. Heute kamen einige wild auslehende Kerle zu uns ins Haus und Itellten mich zur Rede. Ich hätte am Vorabend die Beschießung beobachtet: ich wäre vor dem Haulelauf und ab* gegangen und hätte Auslchau gehalten. Sie wüßten auch, daß ich ein Maschinen¬ gewehr verlteckt halte. Ich könnt® mich nicht enthalten, zu lachen, denn es klang gar zu ungeheuerlich. Ich gab ihnen zu ver- i 41 ftehen, daß ich wohl wüßte, daß ihre Wilikür einen Vorwand luchte. „Gewiß,“ tagte ich, „wiewohl ich aus der ganzen Schießerei nicht klug werde, ichaue ich doch alle Tage danach aus. ob es nicht eine Wendung gibt, gleichgiltig nach welcher Seite hin. Wir witten garnicht einmal, wer eure Gegner find. Für uns iit das Fronleben unerträglich geworden. Ihr müßt be¬ greifen, daß uns dies Sklavenleben an den Rand der Verzweiflung gebracht hat.“ Im übrigen appellierte ich an untere fremden Haus- genolfen. Die wagten weder für mich noch für jene einzutreten. Sie fchwiegen. Merkwürdig iit es immer¬ hin, iie haben mich in Ruhe gelaffen. Ob es der Einfluß unterer Hausgenotten war, die Ehrfurcht haben vor einem Schriftfteller? * * * Chortitza-Rofenthal, am 17. Oktober 1919. Wir gehen weiter in den Herbtt hinein und wüntchen, daß es tüchtig kalt wäre. Zwar witten wir nicht, womit wir in dietem Winter den Ofen heizen werden; aber untere Hoffnung gründet fich auf die Hilfe des Frottes. Sobald der Dnjepr erttarrt und das Eis tragen wird, muß es eine Wendung geben, denn dann können entweder jene herüber oder diete hinüber kommen. Die meitten wüntchen im ttillen Herzen, jene möchten herüber kommen. Wenn es die Weißen tind, müften fich auch untre Jünglinge, die im Selbtt- fchutz waren, wieder einfinden. Rußlands Rettung bringen die Weißen keinesfalls und deshalb könnte ihre Herrtchaft auch nur eine vorübergehende Phate fein. Mag kommen, wer will, und wenn es der Teufel itt, fo fchlimm kann es nicht fein, wie diete Höllenmentchen. So tagen viele. Rette uns, Frott! Dnjepr, erttarre! Das Thermometer läßt untere Hoffnung finken. Der

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…