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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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Dnjepr fließt noch . . .
Bande! Wozu treibt tie uns! Der Ofen muß
geheizt werden, und da gilt es Brennftoff zu betchaffen.
Auf einem Hofe, der von dem Befitzer veriatten werden
mußte, weil er den Zufiand nicht mehr ertragen konnte,
ttehen auf der Tenne Strohhaufen. Von dort her
mütfen mein Freund und ich in großen Bündeln das
Stroh auf dem Buckel heimtragen. Es itt eine grä߬
liche Arbeit. Die Haufen tind bei Tauwetter von Vieh
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und Menlchen auf der Suche nach trockenem Stroh
zerwühlt worden, und nun ift alles hart gefroren. Es
ilt eine Sträflingsarbeit, lieh durch die gefrorenen Stroh¬
klumpen mit bloßen Händen durchzuarbeiten und dann
mühfam das heizbare Stroh zu zupfen. Von allen
Seiten werden Tunnels in den Haufen hineingearbeitet
und glaubt man fein Bergwerk ausbeuten zu können,
fällt es plötzlich zuiarnmen, weil jemand darüber hin-
wegging. Von neuem geht man mit blaurotgefrorenen
Händen an die undankbare Arbeit. Keuchend ichleppen
wir heraus und mühen gleich wieder den Gang wieder¬
holen, weil bei dieler Kälte der Ofen ungeheure Mengen
Stroh braucht, um Wärme zu geben. Untere Gälte
litzen währenddem am Ofen und geben Fruu Grete
knurrend zu willen, daß lie es noch wärmer haben
möchten. Und unwillkürlich Itutzt man: Welche
Wendung hat untere Weltordnung genommen? Hat
man nur deshalb viele arbeitsreiche Jahre auf das
Univerlitätsltudium verwandt, um ungelchlachten An¬
alphabeten den Ofen zu heizen? Glaubten wir denn
nicht, daß die unwillenden Mallen von uns belehrt lein
wollten? Und nun lehen wir: lie wollen unteren
Weisheitskram gar nicht. Wer fragt nach Willenlchaft?
Sie haben der Weisheit letzten Schluß gefunden. Wir
Vertreter der hohen Willenlchaften grübeln und —
graben wie die Maulwürfe im Stroh. O Tempora o
mores! Aber lernen wir das eine wenigltens, noch ehe
wir an die Uriachen und Folgen der Zerltörung Kar¬
thagos herangehen, daß wir das Leben nur im Leben
kennen lernen. So ilt es: lie lind die Herren und wir
die Sklaven. So war’s ja Ichon oft im Laufe der
Jahrhunderte. Aber feinfühliger, empfinden wir die
Schmach vielleicht doppelt hart. Tatlache bleibt, daß
wir innerlich Itark entrültet lind darüber, Itatt Hüter der
Willenlchaft zu lein, nur Pferdekräfte erletzen zu müllen
und Wültüngen zu dienen. Spartaker, wir greifen nicht
zu den Gewehren! Wenn wir edler lind als unlere
Peiniger, verwenden wir andere Waffen !
* *
*
Chortitza-Rosenthal, am 19. Oktober 1919.
Seit einiger Zeit Ichreibe ich meine Notizen in
franzölilcher Sprache auf. Es wird immer gefährlicher.
Machno hat leine Spitzelabteilungen beauftragt, jeden
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Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…