Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 32 (not an original page number)

Unit 32 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
Dnjepr fließt noch . . . Bande! Wozu treibt tie uns! Der Ofen muß geheizt werden, und da gilt es Brennftoff zu betchaffen. Auf einem Hofe, der von dem Befitzer veriatten werden mußte, weil er den Zufiand nicht mehr ertragen konnte, ttehen auf der Tenne Strohhaufen. Von dort her mütfen mein Freund und ich in großen Bündeln das Stroh auf dem Buckel heimtragen. Es itt eine grä߬ liche Arbeit. Die Haufen tind bei Tauwetter von Vieh 42 und Menlchen auf der Suche nach trockenem Stroh zerwühlt worden, und nun ift alles hart gefroren. Es ilt eine Sträflingsarbeit, lieh durch die gefrorenen Stroh¬ klumpen mit bloßen Händen durchzuarbeiten und dann mühfam das heizbare Stroh zu zupfen. Von allen Seiten werden Tunnels in den Haufen hineingearbeitet und glaubt man fein Bergwerk ausbeuten zu können, fällt es plötzlich zuiarnmen, weil jemand darüber hin- wegging. Von neuem geht man mit blaurotgefrorenen Händen an die undankbare Arbeit. Keuchend ichleppen wir heraus und mühen gleich wieder den Gang wieder¬ holen, weil bei dieler Kälte der Ofen ungeheure Mengen Stroh braucht, um Wärme zu geben. Untere Gälte litzen währenddem am Ofen und geben Fruu Grete knurrend zu willen, daß lie es noch wärmer haben möchten. Und unwillkürlich Itutzt man: Welche Wendung hat untere Weltordnung genommen? Hat man nur deshalb viele arbeitsreiche Jahre auf das Univerlitätsltudium verwandt, um ungelchlachten An¬ alphabeten den Ofen zu heizen? Glaubten wir denn nicht, daß die unwillenden Mallen von uns belehrt lein wollten? Und nun lehen wir: lie wollen unteren Weisheitskram gar nicht. Wer fragt nach Willenlchaft? Sie haben der Weisheit letzten Schluß gefunden. Wir Vertreter der hohen Willenlchaften grübeln und — graben wie die Maulwürfe im Stroh. O Tempora o mores! Aber lernen wir das eine wenigltens, noch ehe wir an die Uriachen und Folgen der Zerltörung Kar¬ thagos herangehen, daß wir das Leben nur im Leben kennen lernen. So ilt es: lie lind die Herren und wir die Sklaven. So war’s ja Ichon oft im Laufe der Jahrhunderte. Aber feinfühliger, empfinden wir die Schmach vielleicht doppelt hart. Tatlache bleibt, daß wir innerlich Itark entrültet lind darüber, Itatt Hüter der Willenlchaft zu lein, nur Pferdekräfte erletzen zu müllen und Wültüngen zu dienen. Spartaker, wir greifen nicht zu den Gewehren! Wenn wir edler lind als unlere Peiniger, verwenden wir andere Waffen ! * * * Chortitza-Rosenthal, am 19. Oktober 1919. Seit einiger Zeit Ichreibe ich meine Notizen in franzölilcher Sprache auf. Es wird immer gefährlicher. Machno hat leine Spitzelabteilungen beauftragt, jeden 43

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…