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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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Träger einer Gegengefinnung fchonungslos zu beieitigen. Um ihre Graufamkeit uns gegenüber zu begründen, bringen fie erdachte Gefchichten in Umlauf. Heute kam der Kommandant höchft erregt nach Haufe — es ift ihr Zuhaufe mehr denn unferes -- und erzählte mit Schadenfreude, daß im Nachbarorte viele Deutfche aufgeknüpft worden feien. Ich mußte an mich halten, um nicht voll Ent- rüftung loszubrechen: Ihr Räuber und Schinder! Ich heuchelte Verftändnis dafür, daß auch fie nach Rechts¬ gefühlen handelten und fragte, warum dies gefchehen fei. Er erzählte, wie wenn er felber an der Richtigkeit feiner Ausfage glaubte. Es fei eine feindliche Abteilung unerwartet über die Brücke gekommen, und da hätten die verräterifchen Deutfchen Partei für jene ergriffen und hätten aus den Häufern auf die Machnowizen gefchoffen. Der Angriff fei zwar abgefchlagen, aber die Erbitterung der Mannichaft gegen die Deutfchen all¬ gemein fei doch durch diefen Vorfall geftiegen, Er teilte mir gewiffermaßen im Vertrauen mit, daß es den Kommandanten nur mit größter Mühe gelungen fei, ihre Leute von der Rache an den Deutfchen abzu¬ halten. — Aus Anlaß diefes Gefpräches fetzte ich mich unter unfere verlauften Peiniger und fprach auf fie ein, denn ich wußte, daß fie mir zuhören würden. Aber ver¬ gebens verfuchte ich, die Wahrfcheinlichkeit feiner Aus¬ fage zu entkräften. Es wäre undankbar, daß die Ko- loniften in diefem Kampfe aus der Neutralität heraus¬ träten, weil es töricht wäre. Wohl fei es töricht, parierte er gefchickt, aber leider doch der Fall. Es fei ihm von dem Komman¬ danten, der die Verräter gefaßt und aufgehängt hätte, felbft erzählt worden. Ich durfte vorfichtshalber nach folchen Beweis¬ mitteln keine Verteidigung weiter verfuchen. Ich mußte das Thema auf ein anderes Geleife bringen. Ich ftellte mich, als ob ich fie für eine politifche Partei hielte und Belehrung haben wollte. „Was verftehen Sie unter Anarchismus?“ begann ich ganz nach Art der Ruhen, die immer weit aus- holen und umftändlich find fowohl im Fragen als auch bildlich im Auslegen. Ein paar zuckten die Achfeln; „Das weiß der Teufel, wir wiffen’s nicht.“ Der Kommandant aber empfindet mir gegenüber doch eine Blöße und ant- 44 • wortet negativ: „Wie doch! Wir Find Gegner der Weißen, der Offiziere mit den goldenen Treffen, ebenfo kämpfen wir gegen die Bolfchewiki, die unfere Freiheit verraten haben.“ „Sie verfechten alfo die Idee der Freiheit)“ fragte ich, naiv mich ftellend. „Gewiß!“ antwortet er, es darf keine politifche Beherrfchuug geben.“ „Wie denken Sie fich das?“ — „Linier Batjko Machno kann Ihnen d

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…