Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 35 (not an original page number)

Unit 35 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
wir sind froh, wenn sie menfchlich zu uns sind, wenn wir entdecken, daß sie wohl verkommene, aber doch Menschen mit menschlichen Regungen sind. Wo die Kolonisten sich ihnen mürrisch oder verschlossen zeigen, bleiben sie die Raubtiere, die sie von Anfang waren. Freilich haben wir Glück gehabt; denn unsere Telefonisten haben Schulbildung, und das läßt sie vernünftiger erscheinen. Als gestern ein bewaffneter Kosak in einem geraubten wundervollen Pelze ins Haus kam und kon¬ servierten Tomatensaft, Gurken, Schinken und Eier verlangte, und als Frau Grete in Gefahr geriet, weil sie ihn nicht befeiedigen konnte, da waren es unsere Telefoniften, die ihn vertrieben. Den einen unter ihnen nennen sie Iwan. Wir nennen ihn Hans, wenn wir von ihm sprechen. Hans ist merkwürdig schlecht gekleidet, ganz im Gegenteil zu den anderen. Ich fragte ihn einmal, worin das seine Ursache habe. Er möge nicht rauben, gab er zurück. Wie, dachte ich, ist er wirklich der einzige weiße Rabe unter ihnen? Ich fand es bestätigt. Eines Tages sitze ich im Nebenzimmer und höre, wie sich über den Hans lustig machen. Wie dumm, in zer¬ rissenen Stiefeln und Kleidern zu gehen, sich nicht ein¬ mal einen warmen Mantei zu verschaffen. Er lacht und macht Späße. Seither hat mich der Hans ganz besonders interessiert. Er sei kein Anarchist, sagte er mir unter vier Augen. Er sei überzeugter Bolschewik. Den 46 Anarchisten habe er sich nur deshalb angeschlossen, weil er in einem Gebiete wohne, wo die Weißen zur Herrschaft gelangt sind, die ihn mobilisieren wollten. Sobald die Anarchisten den Bolschewiki gegenüber¬ ständen, wolle er übergehen. Nein, er sei kein Anar¬ chist, wehrte er entschieden ab. — Hans ist gewiß nicht dumm, aber indolent. Er versucht nicht, seine bessere Erkenntnis unter den Kameraden zur Geltung zu bringen. Innig spricht er von seiner verlassenen Mutter und der Schwester, die Lehrerin ist. Es steckt doch noch Kultur in diesem Menschen. Humor kommt dazu. Es ist nicht satirischer Spott, sondern gutmütiger Humor, den dieser Mensch besitzt. Man muß ihn gern haben. Selbst wir, die wir es beinahe verlernen, können uns manchmal des Lachens nicht erwehren. Iwan ist grenzenlos nachlässig: die Läuse fressen ihn fast auf; er kratzt sich unaufhörlich, aber es fällt ihm nicht ein, sich zu reinigen. Die Parasiten haben ihn fast blutleer gesogen, aber er läßt sie gewähren. Er lacht nur, wenn wir ihn ermahnen, sich von diesem Ungeziefer zu befreien, Er ist den Läusen nicht bös. Er sagte neulich im Scherz: „Jch würde die Kapitalisten auch nicht töten, wiewohl sie schlimmer stnd al

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…