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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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wir sind froh,
wenn sie menfchlich zu uns sind, wenn wir entdecken,
daß sie wohl verkommene, aber doch Menschen mit
menschlichen Regungen sind. Wo die Kolonisten sich
ihnen mürrisch oder verschlossen zeigen, bleiben sie
die Raubtiere, die sie von Anfang waren. Freilich
haben wir Glück gehabt; denn unsere Telefonisten
haben Schulbildung, und das läßt sie vernünftiger
erscheinen. Als gestern ein bewaffneter Kosak in einem
geraubten wundervollen Pelze ins Haus kam und kon¬
servierten Tomatensaft, Gurken, Schinken und Eier
verlangte, und als Frau Grete in Gefahr geriet, weil
sie ihn nicht befeiedigen konnte, da waren es unsere
Telefoniften, die ihn vertrieben.
Den einen unter ihnen nennen sie Iwan. Wir
nennen ihn Hans, wenn wir von ihm sprechen. Hans
ist merkwürdig schlecht gekleidet, ganz im Gegenteil
zu den anderen. Ich fragte ihn einmal, worin das
seine Ursache habe. Er möge nicht rauben, gab er
zurück. Wie, dachte ich, ist er wirklich der einzige
weiße Rabe unter ihnen? Ich fand es bestätigt. Eines
Tages sitze ich im Nebenzimmer und höre, wie sich
über den Hans lustig machen. Wie dumm, in zer¬
rissenen Stiefeln und Kleidern zu gehen, sich nicht ein¬
mal einen warmen Mantei zu verschaffen. Er lacht
und macht Späße. Seither hat mich der Hans ganz
besonders interessiert.
Er sei kein Anarchist, sagte er mir unter vier
Augen. Er sei überzeugter Bolschewik. Den
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Anarchisten habe er sich nur deshalb angeschlossen,
weil er in einem Gebiete wohne, wo die Weißen zur
Herrschaft gelangt sind, die ihn mobilisieren wollten.
Sobald die Anarchisten den Bolschewiki gegenüber¬
ständen, wolle er übergehen. Nein, er sei kein Anar¬
chist, wehrte er entschieden ab. —
Hans ist gewiß nicht dumm, aber indolent. Er
versucht nicht, seine bessere Erkenntnis unter den
Kameraden zur Geltung zu bringen.
Innig spricht er von seiner verlassenen Mutter und
der Schwester, die Lehrerin ist. Es steckt doch noch
Kultur in diesem Menschen. Humor kommt dazu.
Es ist nicht satirischer Spott, sondern gutmütiger Humor,
den dieser Mensch besitzt. Man muß ihn gern haben.
Selbst wir, die wir es beinahe verlernen, können uns
manchmal des Lachens nicht erwehren.
Iwan ist grenzenlos nachlässig: die Läuse fressen
ihn fast auf; er kratzt sich unaufhörlich, aber es fällt
ihm nicht ein, sich zu reinigen. Die Parasiten haben
ihn fast blutleer gesogen, aber er läßt sie gewähren.
Er lacht nur, wenn wir ihn ermahnen, sich von
diesem Ungeziefer zu befreien, Er ist den Läusen nicht
bös. Er sagte neulich im Scherz: „Jch würde die
Kapitalisten auch nicht töten, wiewohl sie schlimmer
stnd al
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…