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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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en Stoff, den er im Kampfe mit den Weissen,
die von den Engländern unterstützt werden, erbeutet
hat. Er hat durch den langen Kriegsdienst das plump¬
bäuerliche Aussehen fast verloren. Meine Freunde
vertrauen ihm mehr als den anderen; aber da er sich
gänzlich prinzipienlos zur Machno-Bande hält, traue
ich ihm nicht sehr. Er behauptet allerdings, dass sein
Vater einen grossen Bauernhof besitzt und dass er
sein eigenes Pferd mitgebracht hat. Es ist nicht aus¬
geschlossen. Es sollen viele reiche Bauern dabei sein.
SieT bleiben eine Zeit lang bei der Bande, und wenn
siel genug geraubt haben, kehren sie mit den geraubten
Pferden und Kleidern nach Haule zurück. Andere
wollen fich durch den Anschluss an Machno retten.
Gestern war ein furchtbar versoffener Kerl mit einer
furchtbar versoffenen Trinkerstimme hier. Es soll dm
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Grubenbelitzer K. aus dem Kreile Taganro g fein. —
Es gibt regelrechte Fanatiker unter ihnen, die aus Haß
gegen die dem ganzen Bauernvolke verhaßten Weißen
erbarmungslos wüten. Da wir — wenn auch mit Un¬
recht — für Anhänger der Weißen gelten, kühlen lie
ihr Mütchen an uns. Teilweile allerdings rührt ihre
Feindlchaft gegen uns noch vom Kriege her und mehr
noch von der Zeit der deutlchen^Okkupation.
Ich erinnere mich einer Begebenheit im Herbtl,
die für die Weißen charakteriltilch ilt und die zur Zeit
dielen Bauernaufltand erklärt. Ich kam abends auf der
Statin N.-K. an und mußte in dem Ort übernachten,
weil kein .Fuhrmann wagte, nachts über die Steppe zu
fahren. Auf der Station waren einige Züge Weiß-
gardilten angekommen, die Ordnung in dem von ihnen
beletzten Gebiete Ichaffen wollten. Im Dorfe brannten
mehrere Höfe, die lie zur Strafe angezündet hatten.
Als ich das Dorfgafthaus luchte, wurde ich von den
Weißgardilten angehalten und ausgeraubt. Als ich
darauf drei Offizieren begegnete, meldete ich ihnen den
Vorfall. Aber lie gaben mir zur Antwort, daß es bei
ihnen nicht anders wäre als in allen Aufltandsarmeen
und gingen weiter. Einer blieb etwas zurück und
lagte offenherzig: „Wären wir früher dem Volke ent¬
gegengekommen, lo wäre es nicht lo weit mit dem
Verfall Rußlands gekommen. Wir haben alle Schuld
daran.“ —
Ich freute mich über die richtige Erkenntnis, hielt
aber das Entgegenkommen in dieler Weile doch für
verfehlt. War die Erlaubnis, zu plündern, etwa ein
Eingeltändnis, daß lie den Soldaten nun geltatten
wollten, was lie bisher als ihr Vorrecht betrachtet
hatten ?
Tatlache ilt, daß die littlichen Begriffe vom Stehlen,
die ja in Rußland nie lo feit Itanden wie in germanilchen
und romanilchen Ländern — wer hätte nicht
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…