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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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Ichon
gehört von der Korruption der Zivil- und Militär¬
behörden Altrußlands, wie auch von dem Hang zum
Stehlen im Volke allgemein? — daß diele Neigung
durch die Kriege vor und nach der Revolution zu einer
verhängnisvollen Verwilderung geführt hat! Wohin
Iteuert das arme Rußland? Jene Leute in Rußland,
die bei der Geburt dieler Uriachen zu dielen Zultänden
Pate' geftanden l^haben, wußten nicht die Folgen zu
ermellen. - :j x
49
Beginnt man zu philofophieren, (ich zu akklimati-
iieren? Nein, an den Sklavenzuftand können [ich auf¬
rechte Menfchen nicht gewöhnen! . . .
* *
*
Am 22. Oktober.
Entletzlich! Heute war der große Kofak hier;
er war fchon vor einigen Tagen einmal in unlerem
Hauie. Er kündigte uns heute an, es könne nicht
weiter in bisheriger Weife geduldet werden, daß die
Einwohnerfchaft der deutfchen Hofdörfer fich neutral
verhielte. Der Kampf fei aufs höchfte geftiegen und
für fie könne es nur noch gelten : Wer nicht für uns
ift, der ift gegen uns! Danach wollten fie handeln.
Wir müßten uns entfcheiden, ob wir zu ihnen ftehen
und an ihrer Seite in den Kampf ziehen — oder ob
wir zu ihren Gegnern, den Weißen, gezählt werden
wollten. Im letzten Falle würden wir bis auf den
letzten Mann ausgetilgt werden. Sie führte * nicht
umfonft die fchwarze Fahne, die allen Widerfachern
Tod bedeutet. —
Das ift’s, /as wir in den letzten Tagen wie
drohendes Gewitter über unferen Häuptern fühlten.
Wie wird es enden ? — —
* *
*
Am 23. Oktober.
Es ift, als ob das Todesurteil ausgefprochen wäre
über uns und wir nur noch auf den Henker zu warten
hätten. Wer nicht zu apathifch ift, kommt auf Flucht¬
gedanken. Sie haben uns jedoch angefagt, wer nach
dem Dunkelwerden drei Schritte vom Haufe entfernt
angetroffen wird, foll ohne Warnung erfchoffen werden.
Tatfächlich fieht man fo viele bewaffnete Reiter allent¬
halben, daß jeder Fluchtverfuch der fichere Tod wäre.
Zudem hat jeder feine Familie. Wohin wollte man
fliehen? Man müßte fchon über die Grenzen des
Reiches kommen können !
Am 24. Oktober.
Ein furchtbares Ereignis hat [ich zugetragen. Als
Gerücht war es mir bekannt [eit zwei Tagen. Ich
glaubte dem nicht. Heute habe ich die [ichere Be¬
itätigung erhalten. Das Hofdorf Eichfeld — - nur
25 Werft von hier entfernt, exiftiert [eit dem 18. Ok¬
tober nicht mehr. Am 17. Oktober abends haben
Reiterbanden das Dorf umftellt, [ich auf die einzelnen
Höfe verteilt und die Deutlchen io überrakht, daß
keiner dem anderen Nachricht geben könnte. Dann
haben [ie, meift mit kalter Waffe, die ganze männliche
Bevölkerung über 15 Jahre niedergemacht: 84
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…