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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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vertrieben. Nur dank dem Umftande, daß
unter dem Zarenregime alles langfam und meift zu
fpät kam, was am grünen Tifcn geplant wurde, wohnten
die meiften ehemaligen Hofbefitzer noch als Pächter
auf der Infel, als die Revolution ausbrach. Etwa 15
Familien follen auch jetzt noch auf der alten Scholle
fein. Die andern find ungern gewichen. Ja, das
Zarenregime hat uns im Kriege verheißen, daß wir
Deutfchen mit einem Schubkarren in die Tundren
Sibiriens wandern würden. Wofür? Hatten wir je
Anteil an der Politik Deutfchlands?
Ich muß an mich halten. Ich will mich nicht
ereifern; denn ich bedarf der Ruhe. Aber man ift
fchon zu fehr hineingeriffen in das große Gefchehen
unferer Zeit Es muß ja fo fein, daß wir bewußt
anteilnehmen an dem Neuwerden der Zuftände. Solch
ein Krieg, wie der große Weltkrieg, muß ja alle bis¬
herigen Zuftände umwerfen. Der Krieg hat das
Denken umgeftellt, hat das Gefühl revolutioniert.
Untere Welt ift verrückt, von der Stelle weggerückt
worden. Nun wiffen wir nicht, wie wir uns neu ein¬
richten follen. Da kommen die Bolfchewiki und
wünfchen Anpaffung an ihr Regime. Bald darauf
kommt irgendein General daher und verlangt Ge-
horfam für feine Befehle. So hatten wir ein Regime
nach dem anderen. Auf das Zaren-Regime folgte die
Kerensky-Regierung, dann die nationaliftifch-ukrainische
Rada-Regierung, die wieder geftürzt wurde von den
Okkupationsmächten zu Gunften einer autokratifchen
Hetman-Herrfchaft. Mit dem Abzug der Deutfchen
war auch fie wie der Schnee vor der Märzfonne
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verlchwunden. Kurze Zeit hielt iich nun das ukrainische
Petljura-Regiment, bis die Bolichewiki abermals die
Gewalt an lieh rihen. Dann begannen Griechen und
Franzosen die Besetzung, und Banden aller Schattier¬
ungen beherrichten hier und dort ein Gebiet für lieh.
Wieder zogen die roten Regimenter bei uns ein, und
wieder wichen lie neuen Herrschern mit neuen Ver¬
heißungen. Jedesmal ioll die Bevölkerung lieh der
jeweiligen Herrlchalt unterwerfen und anpaffen. Jede
belchimpft und verhöhnt die vorangegangene und
fordert deren Bekämpfung. Wen wundert’s, wenn
keine mehr Aniehen gewinnt, denn wie bald ilt jene
neue vertrieben, und dann muß auch lie als die
fchlechtere gelten.
Wir lind wie auf einer Drehbühne, die nicht
zum Stehen gebracht werden kann. Bild folgt auf
Bild vor den Augen Europens. Wir aber lind es, die
handelnd darltellen mühen. Was letzter Wahlipruch,
neuelte Farbe erfordert, will der Zuichauer iehen.
Könnten wir im Zufchauerraum fitzen und dem bunten
Spiel zufehen, dann würden wir nach der 3, oder 5.
Handlung müde heimgehen und ausruhen, wie es die
Leute
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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…