Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 4 (not an original page number)

Unit 4 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
vertrieben. Nur dank dem Umftande, daß unter dem Zarenregime alles langfam und meift zu fpät kam, was am grünen Tifcn geplant wurde, wohnten die meiften ehemaligen Hofbefitzer noch als Pächter auf der Infel, als die Revolution ausbrach. Etwa 15 Familien follen auch jetzt noch auf der alten Scholle fein. Die andern find ungern gewichen. Ja, das Zarenregime hat uns im Kriege verheißen, daß wir Deutfchen mit einem Schubkarren in die Tundren Sibiriens wandern würden. Wofür? Hatten wir je Anteil an der Politik Deutfchlands? Ich muß an mich halten. Ich will mich nicht ereifern; denn ich bedarf der Ruhe. Aber man ift fchon zu fehr hineingeriffen in das große Gefchehen unferer Zeit Es muß ja fo fein, daß wir bewußt anteilnehmen an dem Neuwerden der Zuftände. Solch ein Krieg, wie der große Weltkrieg, muß ja alle bis¬ herigen Zuftände umwerfen. Der Krieg hat das Denken umgeftellt, hat das Gefühl revolutioniert. Untere Welt ift verrückt, von der Stelle weggerückt worden. Nun wiffen wir nicht, wie wir uns neu ein¬ richten follen. Da kommen die Bolfchewiki und wünfchen Anpaffung an ihr Regime. Bald darauf kommt irgendein General daher und verlangt Ge- horfam für feine Befehle. So hatten wir ein Regime nach dem anderen. Auf das Zaren-Regime folgte die Kerensky-Regierung, dann die nationaliftifch-ukrainische Rada-Regierung, die wieder geftürzt wurde von den Okkupationsmächten zu Gunften einer autokratifchen Hetman-Herrfchaft. Mit dem Abzug der Deutfchen war auch fie wie der Schnee vor der Märzfonne 7 verlchwunden. Kurze Zeit hielt iich nun das ukrainische Petljura-Regiment, bis die Bolichewiki abermals die Gewalt an lieh rihen. Dann begannen Griechen und Franzosen die Besetzung, und Banden aller Schattier¬ ungen beherrichten hier und dort ein Gebiet für lieh. Wieder zogen die roten Regimenter bei uns ein, und wieder wichen lie neuen Herrschern mit neuen Ver¬ heißungen. Jedesmal ioll die Bevölkerung lieh der jeweiligen Herrlchalt unterwerfen und anpaffen. Jede belchimpft und verhöhnt die vorangegangene und fordert deren Bekämpfung. Wen wundert’s, wenn keine mehr Aniehen gewinnt, denn wie bald ilt jene neue vertrieben, und dann muß auch lie als die fchlechtere gelten. Wir lind wie auf einer Drehbühne, die nicht zum Stehen gebracht werden kann. Bild folgt auf Bild vor den Augen Europens. Wir aber lind es, die handelnd darltellen mühen. Was letzter Wahlipruch, neuelte Farbe erfordert, will der Zuichauer iehen. Könnten wir im Zufchauerraum fitzen und dem bunten Spiel zufehen, dann würden wir nach der 3, oder 5. Handlung müde heimgehen und ausruhen, wie es die Leute

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…