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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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inmal belucht hatte, wurde ich gebeten, öfters zu kommen. Es ilt mir verltändiich. Ein jeder hat das Bedürfnis, einmal einen Nicht-Anarchilten zu lehen, um lieh auslprechen zu können. Für die Familie W. wurde ich gewiller- maßen der Beichtvater. Es lind feinfühlende Menlchen und darum leiden lie leelilch mehr als viele andere. Belonders der Vater ilt es, der lieh innerlich martert. Jedesmal, wenn ich auf einige Minuten hinübergehe, fehe ich an ieinsn ichmerzverzehrten Geiichtszügen, wie ungeheuer er darunter leidet, daß er zu ichweigen hat, wenn freche Eindringlinge fein Haus betreten, zu ichweigen, wenn iie [ein Haus einnehmen und die Familie auf zwei kleine Zimmer beichränken, zu ichweigen, wenn rohe Geiellen Schränke und Kom¬ moden leeren, zu ichweigen, wene beutegierige Diebe die Taichen nach Uhren, Melier und Geldbeuteln ab- iuchen, wenn iie ihm den Ehering vom Finger ziehen, ja zitternd zu ichweigen, wenn die Ehre der Töchter bedroht ericheint. Als es ernit damit wurde, als man ieine ichöne große Tochter wegholen wollte, da hat er nicht mehr ichweigen können, da hat er geiprochen, jedoch nicht io, wie ihm die Gefühle die Ausdrücke eingaben. Er iit mit Aufwand der ganzen Willens¬ energie der Überlegung gefolgt und hat mit den Mädchenichändern in ruhigem Tone geiprochen, hat ihnen einzureden veriucht, daß ieine Tochter krank iei und das Bett hüten müiie. Er hat iie veriteckt, denn er wußte, daß iie unrettbar verloren geweien wäre, wenn iie gefunden würde. Und hatte er iie einmal gerettet, io beitand die Gefahr immer noch, io lange iie in unierem Orte blieben. Und iie find wiederholt gekommen. Die ieeliiehe Spannung von einem Beiuch bis zum anderen fraß an [einem Mark mehr als der Beiuch ielbit. Die Nervoiität ließ ihn nicht mehr ichlafen. Und gelang es endlich einmal nach langem Kampf, sich zu beruhigen, den Schlaf, den einzigen Tröster in dieser Zeit, zu finden, dann kam sicher nächtlicher Besuch, und dann half kein Widerstreben: man mußte die Nachthyänen einlassen. Von neuem krampft das Herz sich zusammen, wie wenn es von Adlerklauen gepackt würde; man sieht fröstelnd vor Kälte und Aufregung die Gesellen ins Haus kommen. Sie wühlen an allen Ecken und Enden • • und behandeln die Hausbewohner wie Übeltäter, wie Feinde, an denen man sich rächen muß. Und solche Besuche wiederholen sich in mancher Nacht vielmals! Dieser Mann empfindet sein Schicksal noch schmerzlicher, weil seine Nerven schwach sind! — Eines Tages platzte ein Geschoß in unmittelbarer Nähe des Hauses. Die Fensterscheiben zerbrachen. Sie mußten durch Bretter oder Kissen erset

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…