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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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zt werden.
Dieser Mann klagt mir seinen Gram, und diese Klage
ist vielleicht die einzige Rettung für ihn. Es ist ihm
ein Trost, wenn jemand ihm mit Verständnis zuhört.
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Daß wir auswandern müssen, wenn wir am Leben
bleiben, ist uns selbstverständlich. Wir sprechen viel
von Ländern mit geordneten Verhältnissen und besseren
sozialen Zustäuden und noch besser erzogenen Staats¬
bürgern. Es klingt wie eine beruhigende Musik, wenn
ich von meinen Erfahrungen in fremden Ländern
spreche. Dann vergißt er für einen Augenblick sein
Leid. Weil ich dies weiß, bringe ich gern das Gespräch
auf dieses Thema. Aber jedesmal, wenn ich wieder¬
komme, finde ich diesen Mann in Verzweiflung. Er
kann» wie so viele, nicht mehr auf einen guten Aus¬
gang, auf bess re Zeiten hoffen. Das Nicht-mehr-
hoffen-können ist das Fürchterlichste, was ein Mensch
erleiden kann.
Unser Schicksal hat kein Erbarmen mit uns*
Gestern besuchte ich die Familie W und fand sie
apathisch. Man überreichte mir einen Brief, den ihnen
ein Verwandter auf einem Schleichwege zugestellt hat.
Er lautete so: „Liebe Geschwister! Mit versteinertem
Herzen und verwirrten Gefühlen schreiben wir Euch
dies. Sie kamen zu uns ins Haus Sie zogen uns
aus bis auf die Unterkleider und begannen ihr grau¬
sames Spiel mit uns. Sie schossen unserm alten Vater
durch beide Handflächen und zwangen ihn dann, sich
mit ihnen an den Tisch zu setzen und Branntwein zu
trinken. Er sollte anstoßen mit ihnen. Vater fah uns
mit einem Blick an, der ein tiefes Weh widerlpiegelte
und uns in die Seele schnitt Wir standen da in
stummer Qual und ließen uns verhöhnen. Aber nicht
genug damit. Bruder Johann schlugen sie mit schar¬
tigen Säbeln ins Gesicht und versuchten, ihm die Arme
abzuhauen. Er floh und später fanden wir ihn in der
Spreu liegen. Sie, die wir nicht zu benennen ver¬
mögen, weil kein Wort ausreicht, sie zu bezeichnen,
sie haben sich geweidet daran, wenn sie dem Sterbenden
die Qual vermehrten, indem sie Spreu in seine Wunden
streuten. Unser jüngster Bruder versuchte, sie durch
energisches Auftreten einzuschüchtern ; aber sie schossen
und hackten ihn nieder. Unsern Neffen Franz schlugen
sie mit Knuten und stumpfen Gegenständen, bis er
bewußtlos niederbrach und nicht wieder erwachte.
Henrich versuchte mit Frau und Kind zu fliehen;
aber ihn fanden wir später tot im Vorgarten. Auch
wir sind verwundet: mein linkes Ohr ist zur Hälfte ab,
an der Stirn habe ich tiefe Wunden, auch die Hand
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trage ich verbunden. Ein Hemd dient als Verbands¬
stoff. Wir haben unsern Wohnort verlassen und halten
uns bei Freunden im Nachba
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…