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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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rort versteckt. Wir nennen keine Namen, weil es ungewiß ist, ob dieser Brief nicht in Unrechte Hände gelangt. Unser Haus soll inzwiichen eingeäichert worden lein. So hört auch Petersdorf auf zu exiitieren. Von Eurem Ort meldet man hier auch Schreckliches. Ob Ihr noch alle am Leben leid? i Ihr Lieben, wenn wir uns noch einmal iehen iollten in dieiem Leben, dann wollen wir uns an den Händen fallen und ohne Umiehen das Land unierer Schmach für immer verlaiien “ Ich ließ das Blatt auf den Tifch fallen und iah auf. Verzweiflung! Was tollte ich lagen? Worte kamen mir zu unbedeutend vor gegenüber iolchen Wuchtfchlägen; man protestiert auch nicht mit Worten gegen so elementare Ericheinungen wie Blitz und Donnerlchlag. Stumm drückte ich ihnen die Hand und entfernte mich. Den ganzen Tag beichäftigte mich heute das Schicklal dieier Familie. Ich begreife, daß diele Menfchen, die bibelfeite Chriiten lind, verzagt rufen: Lebt unier Gott? Es iit zuviel ! *— Wer nicht erlebt hat, was wir erleben, wird nie begreifen, was wir ertragen. * * * Am 30. Oktober. Keine Rettung in Sicht! Vertiefung des Elends! Typhuskrank liegen Anarchisten in den Häuiern. Wen wundert es, wenn diele Menichen, die keine Geiundheits- pflege kennen, krank werden. Aber auch wir lind rettungslos dieier aniteckenden Krankheit preisgegeben. Wir haben weder Seife noch Wäsche zum Wechseln. Selbst Kämme und Rasiermesser fehlen uns. Wir sehen aus wie Barbaren mit struppigem Haar und ungepflegtem Bart. Ich besitze zwar noch einen Rasier¬ apparat im Versteck, aber ich darf ihn nicht mehr gebranchen, denn so bald sie merken, dass ich rasiert bin, würden sie das Meiler von mir verlangen. 56 Auch in unterem Haufe liegen drei Mann krank darnieder. Frau Grete nimmt fick der Kranken an in warmer Nächftenliebe: fie denkt nicht daran, daß es unfere Peiniger find, fondern pflegt die Hilflofen mit aufrichtiger Beforgnis. Wenn fie in irgendeiner Keller¬ ecke noch etwas hatte verborgen halten können, jetzt gibt fie es her: das Letzte an eingemachten Kirfchen fetzt fie ihnen vor. Sie kocht den dürftigen Kranken Tee, fo oft fie wollen, obgleich fie vor Abmattung faft zufammenbricht. Während der Dicke alles wie felbft- verftändlich annimmt, regt fich bei Fedja eine tiefe Dankbarkeit. Er fühlt, daß er die Krankheit über- ftanden hat. Zum Zeichen feiner Dankbarkeit fchenkt er ihr einen Hundertrubelfchein. Sie habe ihn vom Tode errettet, ohne diele Pflege wäre er um¬ gekommen. * * * Am 5. November. Ein neuer erbarmungslofer Feind ! Wir find ver¬ loren ! Der fchwarze Tod geht um. Erbarmungsl

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…