Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 44 (not an original page number)

Unit 44 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
os faßt er zu. Zuerft erkrankten die Anarchisten. Sie lagen iu allen Häufern herum, f^und die einheimilche Bevölkerung pflegte fie. Nun ift derlFunke^auch zu uns iibergefprungen : Flecktyphus! Ich fprach mit dem Arzt H. Er betätigte, daß es in den meiften Fällen Flecktyphus Sei, in den übrigen feiges der Rückfall¬ typhus. Die Krankheit der letzten Art läßt ihren Opfern nach etwa einer Woche eine Paufe von einigen Tagen. Das Fieber weicht, die Kranken glauben fich gefund und beginnen fzu elfen. jDann aberjpetzt das , Fieber in verftärktem Maße ein. Es ift, wie wrenn die Katze mit der Maus fpielt. Wenn die Maus f.ch freigegeben glaubt, ffpringt der graufame JPeiniger" von neuem 'zu und würgt das hilffofe Tierchen. Es gibt für “uns kein Entrinnen, denn auch die Aerzte willen unter den obwaltenden Umftänden kein Mittel, uns zu fchützen. Abfonderung der Erkrankten wäre die einzig) mögliche Rettung, aber diele Ma߬ nahme ift gänzlich unmöglich. Die Anarchisten, auch die kranken, lallen fich nicht aus den Häufern weg¬ tragen. Man hat es verfucht. Zur Zeit ift es fchon zu fpät. Es ifind ihrer zu viele. S 57 Von zwei Aerzten liegt der eine fchon krank dar¬ nieder. In der Apotheke gibt es keine Arznei mehr. Schmerzlich ilt die Erkenntnis, daß wir alle denselben Schicklai entgegengehen. Früher oder Ipäter muß jeder daran glauben. Vorgeltern Itarb einer meiner Kollegen und eine meiner Schülerinnen, eine achtzehnjährige Seminariltin. Nur wenige Menlchen begleiteten die beiden Särge auf den Friedhof. Als wir die Gräber zulchütteten, merkten wir, wie kraftlos wir ichon lind. Wir konnten es falt nicht ichaffen. Das große Leid ift nun in jedem Haufe. Von den 6000 Einwohnern unferes Ortes hat jeder mit den Kranken zu tun. Außer den Anarchisten lind bei uns [chon erkrankt das kleine Töchterchen meines Freundes und die Großmutter. Bewußtlos liefen die Elenden da im höchlten Fieber, und wir können ihnen nicht helfen ! Nicht einmal den Arzt können wir zur Beruhigung herbeiholen. Der eine Arzt, der noch aufrecht ift, geht von Bett zu Bett und ift bereits fo erfchöpft, daß feine Erkrankung jeden Augenblick eintreten muß. * * Am 13. November. Nun ift kein Arzt mehr zu holen. Beide find gefährlich krank und man fürchtet, daß fie nicht mehr aufkommen. Außer Frau Grete ?und mir find jetzt alle krank bei uns. Ich muß zufehen, daß ich morgens und abends den Ofen heizen kann. Ich fälle bereits Gartenbäume. Es ift kein anderes Holz vorhanden Frau Geete plagt fich mit den Kranken ab. Tag und Nacht mühen wir bei ihnen fein. Nachts ift es noch fchlimmer a

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…