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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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ls am Tage. Einer allein kann nicht mit den Kranken fertig werden. Und doch können wir ihnen'kaum helfen. Die einzige- Linderung, die ihnen gebracht werden kann, befteht darin, daß wir ihnen die heiße Stirn kühlen und Waffer zu trinken geben. Oft haben wir allergrößte Mühe, die bewußtlos Phan- talierenden zu beruhigen. Man kommt fich vor wie in einem Irrenhaufe. Während ich am Bette fitze und 58 fchreibe, entreißt mir plötzlich das vierzehnjährige Mädchen das Blatt und will leien, ob ich nach Deutich- land geichrieben habe, damit iie uns von dort Flug¬ zeuge ichicken, die uns von hier wegholen. Ihr Wunich kindlicher Art kommt da zum Vorichein. Dann wieder fragt iie mich, ob die Meerfrau Zucker gebracht habe. Sie möchte den Tee mit Zucker geiüßt trinken. Dann ipringt plötzlich mein Freund, von feinem Lager und gibt erregt vor, er müife ieiner Frau bei- itehen, die draußen von diefen . . . (wir benennen die Anarchiiten gewöhnlich nicht) bedroht werde. Ich beruhige ihn. — Ich ging heute am Tage für ein halbes Stündchen fort. Ich mußte iehen, wie es in den Nachbarhäuiern ausiieht, ob es denn überall io zugehe wie bei uns. Überall dasielbe Bild. Die Gefunden gehen wie Schatten einher. Die Anarchiiten fangen an, die Kranken weg¬ zubringen in die benachbarten Ortichaften. Die Gefunden verlangen aber unentwegt unieren Sklaven- dienft wie ehedem, unbekümmert darum, ob wir uniere Kranken pflegen können oder nicht. Sie find die Herren und ihrer Willkürlaune haben wir wideritands- los zu folgen. Wir find kaum noch fähig, uns moraliich zu widerietzen. Die Schulhäufer find Krankenhäuier der Anarchiiten geworden. Deutiche juuge Männer und Mädchen — darunter in erfter Linie uniere Seminariiten, ioweit iie noch nicht erkrankt find — mühen iie pflegen. Weil die Zahl der Gefunden in unterem Ort zu gering iit, holen iie Pfleger aus den benachbarten Ortichaften herbei. Sobald iie angeiteckt find, kehren iie in ihre Dörfer zurück, und lo greift auch dort die aniteckende Krankheit um lieh. Am ? Das große Sterben nimmt erfchreckend zu. Ich konnte viele Tage nicht mehr Notizen machen. Tag und Nacht kommen wir nicht zur Ruhe. Meines Freundes Zuitand iit höchit bedenklich. Seit einf paar Tagen kehrt feine Beiinnung kaum mehr zurück. 59 Es ilt kalt und dunkel um uns herum. Witterung und Jahreszeit verltärken die Troltioligkeit des Tages. Um 3 Uhr wird es Ichon dunkel, und bis 9 Uhr morgens währt die Finlternis. Bis vor ein paar Tagen hatten wir kein Licht; kein Steinöl, nur eine rauchige Funzel mit Sonnenblumenöl, mit dem wir äußerlt Iparlam umgehen m

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…