Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 46 (not an original page number)

Unit 46 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
ußten. Nun hat uns ein Kollege ein paar Tropfen Steinöl gebracht, das wir nun ganz Iparlam brennen. Wir haben diele Koltbarkeit in eine kleine Lampe gegollen und Ichrauben den winzigen Docht lo herab, daß die Flamme nur noch wie ein fernes Irrlicht flackert. Ohne Licht lind die Kinder in der langen Nacht nicht zu beruhigen. Unlere Einquartierung, deren Zulammenletzung lieh verändert hat, weil einige Erkrankte fortgekommen und andere hinzugekomnien lind, hat unler Flämmchen in der Nacht entdeckt lind forderte heute die Flamme für ihren Gebrauch. Es gelang Frau Grete nicht, lie zu beruh gen. Da packte mich heftig der Unwille gegen diele Unmenlchen. Ich trat vor lie hin mit feltem Tritt und fuhr lie an. Ich ließ lie nicht zur Beiinnung kommen, londern nützte ihre Beltürzung mit ralchen, treffenden Worten lo aus daß he kein Wort erwidern konnten. Sie laßen da im Finltern, daß man falt ver¬ muten konnte, lie wären durch einen Zauber ver- Ichwunden. Das Licht behielten wir. * * * Am ? Die Kranken phantalieren von Neu-Seeland, dem Land ihrer Sehnlucht. Wer die Hoffnung noch hat, am Leben zu bleiben, denkt nur noch an Auswande¬ rung. Aber die meilten wandern aus nach dem Friedhof. Draußen vor unierm Fenlter bringt man täglich Särge vorbei! Särge? Nein, es gibt keine Särge mehr Man begräbt die Toten ohne Särge, entweder in Trögen oder Schlafbänken oder gänzlich bloß. Auch das Begraben ilt Ichwierig: es gibt kaum noch Menlchen, die Gräber graben. Diejenigen, die bei Kräften lind, lallen lieh die Arbeit übermäßig teuer bezahlen. Darum bleiben viele Gräber offen. 60 Im Nachbarhaufe ftarb geftern der alte, vielgeplagte penhonierte Lehrer. Alle übrigen acht Perfonen liegen krank darnieder Man rief mich um Hilfe, um den Toten aus dem Krankenzimmer uu fchaffen. Jetzt kein Mann mehr in dem Haufe, nur Frauen, und diefe alle krank. Fremde pflegen fie und bedienen die einquartierten Anarchisten. * * * Am 13. Dezember. Es ift ein fonniger Frofttag. Wir hörten früh am Morgen Dröhnen von Gefchützen und horchten auf: follte es eine Wendung gehen? Trägt das Eis vielleicht? UnfereTelefoniften fprachen aufgeregt am Fernfprecher. Aber dann vermummten die Gefchütze, und nur das Knattern der Gewehre war vernehmbar wie vorher. Als am Nachmittag die Kranken etwas ruhiger zu werden fcheinen, entfchließe ich mich zu einem Rund¬ gang durch die Nachbarhäufer. Ich fuche gleichzeitig etwas Aufmunterung für mich felbft, denn ftumpf und fchwer fühle ich die Laft des Leides. Aber niemand ift da, der Troft weiß. Die Gelichter nehmen nach und nach einen verfeinert

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…