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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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ußten. Nun hat uns ein Kollege
ein paar Tropfen Steinöl gebracht, das wir nun ganz
Iparlam brennen. Wir haben diele Koltbarkeit in eine
kleine Lampe gegollen und Ichrauben den winzigen
Docht lo herab, daß die Flamme nur noch wie ein
fernes Irrlicht flackert. Ohne Licht lind die Kinder in
der langen Nacht nicht zu beruhigen.
Unlere Einquartierung, deren Zulammenletzung lieh
verändert hat, weil einige Erkrankte fortgekommen und
andere hinzugekomnien lind, hat unler Flämmchen in
der Nacht entdeckt lind forderte heute die Flamme für
ihren Gebrauch. Es gelang Frau Grete nicht, lie zu
beruh gen. Da packte mich heftig der Unwille gegen
diele Unmenlchen. Ich trat vor lie hin mit feltem Tritt
und fuhr lie an. Ich ließ lie nicht zur Beiinnung
kommen, londern nützte ihre Beltürzung mit ralchen,
treffenden Worten lo aus daß he kein Wort erwidern
konnten. Sie laßen da im Finltern, daß man falt ver¬
muten konnte, lie wären durch einen Zauber ver-
Ichwunden. Das Licht behielten wir.
*
*
*
Am ?
Die Kranken phantalieren von Neu-Seeland, dem
Land ihrer Sehnlucht. Wer die Hoffnung noch hat,
am Leben zu bleiben, denkt nur noch an Auswande¬
rung. Aber die meilten wandern aus nach dem
Friedhof. Draußen vor unierm Fenlter bringt man
täglich Särge vorbei! Särge? Nein, es gibt keine
Särge mehr Man begräbt die Toten ohne Särge,
entweder in Trögen oder Schlafbänken oder gänzlich
bloß. Auch das Begraben ilt Ichwierig: es gibt kaum
noch Menlchen, die Gräber graben. Diejenigen, die
bei Kräften lind, lallen lieh die Arbeit übermäßig teuer
bezahlen. Darum bleiben viele Gräber offen.
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Im Nachbarhaufe ftarb geftern der alte, vielgeplagte
penhonierte Lehrer. Alle übrigen acht Perfonen liegen
krank darnieder Man rief mich um Hilfe, um den
Toten aus dem Krankenzimmer uu fchaffen.
Jetzt kein Mann mehr in dem Haufe, nur Frauen,
und diefe alle krank. Fremde pflegen fie und bedienen
die einquartierten Anarchisten.
* *
*
Am 13. Dezember.
Es ift ein fonniger Frofttag. Wir hörten früh am
Morgen Dröhnen von Gefchützen und horchten auf:
follte es eine Wendung gehen? Trägt das Eis vielleicht?
UnfereTelefoniften fprachen aufgeregt am Fernfprecher.
Aber dann vermummten die Gefchütze, und nur das
Knattern der Gewehre war vernehmbar wie vorher.
Als am Nachmittag die Kranken etwas ruhiger zu
werden fcheinen, entfchließe ich mich zu einem Rund¬
gang durch die Nachbarhäufer. Ich fuche gleichzeitig
etwas Aufmunterung für mich felbft, denn ftumpf und
fchwer fühle ich die Laft des Leides.
Aber niemand ift da, der Troft weiß. Die Gelichter
nehmen nach und nach einen verfeinert
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…