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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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en Ausdruck an. Man läßt an fich herankommen, was will. Wohl zuckt die Wimper im Schmerz, und Wehmut legt fich um den Mund; aber Hoffnung gibt es nicht mehr. Menfchen fterben hier wie die Fliegen nach einem Gifttrunkl Am eheften erliegen die Menfchen, die feelifch am ftärkften gelitten haben, vor allem die Eltern. Am ficherften kommen die Kinder durch und junge kräftige! Menfchen. Menfchen mit fchwachem Herzen find fichere Todeskandidaten. Unvergeßlich bleibt mir das Bild im Haufe M. Ich trete ins Haus. Es rührt fich kein Menfch. Selbft die Anarchien fehlen. Ich fchritt durch leere, fchmutzige, verlaffene und kalte Zimmer. Ich vergegenwärtige mir einen Augenblick, wie ftolz und reich diefer Bauernhof einft ausfah. Und jetzt? Ich öffne eine Tür und — da liegen fie alle: der Hofbefitzer, feine Frau und feine fieben Kinder. Auf Stroh find fie gebettet und mangelhaft zugedeckt. 61 Niemand hat den Ofen geheizt. Darum waren auch die Anarchien weggegangen Ich überlebe die Reihe der Kranken und nähere mich dann dem jüngiten Kinde. Ich falle fein: Händchen an Es iit kalt; eiskalt iit auch das kleine Geiicht. Nun begreife ich: es ift tot Vermutlich iit es bewußtlos vom Stroh auf den kalten Fußboden gerollt, und da hat der Froit dem kranken Kinde den Gnadenitoß gegeben Leiie teile ich es den Eltern mit. Mit angitveritörtem Geiicht müht sich die Mutter krampfhaft, sic aufzurichten, um ihr totes Kind zu sehen. Es will ihr nicht gelingen. Ich richte sie auf. Sie beginnt zu phantasieren, nnd da lege ich sie wieder zurück ins Stroh. Dann gehe ich Hilfe zu suchen für Mensches, die dem Tode geweiht scheinen. Zwei Jungfrauen, Waisen, die in vielen Fällen die Pflege übernommen haben, sollen nun auch diese Familie pflegen. Leute, die am Friedhof vorbeigekommen sind, behaupten, daß es dort keinen Platz mehr gibt Und die Zahl der Toten wächst täglich . . . * * * Am 17. Dezember. Was wir kaum mehr zu hoffen wagten, es scheint sich zu erfüllen: die Anarchisten rüsten zum Abzug. Wie ein Lichtstrahl in dunkler Nacht weckt uns das aus der Versteinerung. Und dann: dann bleibt zurück Not und Tod, Leere. Was sie uns genommen, kann niemand ersetzen . . . Ich fühle mieh nicht wohl. Schon gestern hatte ich Temperaturerhöhung Heute war die Temperatur auf 38,2 Grad gestiegen. Was soll werden, wrenn auch ich unfähig werde zu helfen. Frau Grete hält sich auch nicht mehr lange. Sie sieht so verdächtig ab¬ gehärmt aus Ich glaube, sie will nicht wahr haben, daß sie krank ist. Ich darf ihr nicht nachstehen. Ich bleibe, bis ich umfalle, das ist mein Gelübde

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…