← Research LibraryExact extracted unit
Needs review
Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet
Text fragment 48 (not an original page number)
Unit 48 of 60. Only the selected source passage is shown.
O diese Kerle! Heute kamen drei unheimliche
Gesellen in hohen, zottigen Mützen, gehüllt in kost¬
bare Pelze, und stellten ein Verhör mit mir an. Ich
konspieriere gegen sie, ich organisiere gegen sie. Sie
wollen beobachtet haben, daß Männer zu mir kommen
und ich selber von Zeit zu Zeit ausgehe und Besuche
62
mache. Ich loll mein verftecktes Malchinengewehr
herausgeben. Ich gab ihnen zu verliehen, daß ich aus
all dielem nur einen Vorwand für ihre gep]ante Willkür
erkannte. Wir kennen bereits die Methoden dieler
„Helden“, die Wehrlolen gegenüber ungemein tapfer
lind. Mich erregte nicht der Gedanke an den Tod,
aber mich Ichreckte die Vorltellung von vorhergehenden
Foltern. Haben lie doch unlänglt Frau Gretes Bruder
mit Bleiknuten Io gelchlagen, daß er hilflos in leinem
Blute liegen blieb.
Ich berief mich auf unlere Einquartierung, und
diele wagte nichts Ungünltiges über mich auszufagen.
„Allo,“ Ichloß ich kurz, „habe ich euch nicht weiter
Rede zu Itehen“ und ging ruhig meiner Wege. Was
lie untereinander noch belprochen haben, weiß ich
nicht, aber die drei verließen das Haus.
Die Kranken hat das Auftreten der rohen Gelellen
Itark erregt. Ihr Zuftand hat [ich verlchlimmert.
*
*
*
Am 18. Dezember.
Meine Temperatur ilt auf 39 Grad geltiegen. An
meine Erkrankung muß ich glauben. Es war eine
böle Nacht. Ich konnte nicht aufrecht bleiben. Aber
es gab keinen Platz für ein Lager für mich in dem
einzigen Zimmer. Ich mußte mich Ichon in Frage¬
bogenform krümmen und die Füße unter das Bettgelteil
meines Freundes Itecken Ihn mußte ich ja bedienen:
er warf fortwährend leine Decke von sich. Frau Grete
behauptet, ich hätte französisch gesprochen. Sollte
ich im Fieber gesprochen haben? Übel genug war
mir zu Mute. Mag sein was will, eins ist gewiß
die Anarchisten flüchten.
Sie haben beim Abschied für Dienst und Pflege
kein dankbares Wort für uns, nein! Wahrhaft teuflisch
betragen sie sich. Statt an ihren Gegnern, denen sie
weichen müssen, rächen sie sich an uns. Sie laufen
durch alle Zimmer und suchen, was sie noch mit¬
nehmen können. Dabei schonen sie in keiner Weise
die Kranken. Meinem kranken Freunde hielt einer die
Pistole vor die Brust, damit er angebe, wo er sein
63
Geld hätte. Andere bedrängten Frau Grete roh, daß
ich für ihr Leben fürchtete. Ich ging ihnen nach bei
ihrem Rundgang durch das Haus Sonderbar, niemand
vergriff ‘sich an Sachen, die ich als die meinen bezeich-
nete. Nur einen Pelz nahmen sie mit, den ich auf
dem Boden versteckt gehalten hatte.
Mögen sie uns nackt zurücklassen, wenn sie nur
nicht wiederkommen!
Und do
Source excerpts
[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…