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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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e als erlte die
Krankheit überltanden und Iah noch lehr bleich aus.
Sie wollte kommen, wenn ihre Familie verlorgt war.
Ich verband, daß lie mehr verfprach, als lie halten
konnte und verließ Ichweigend das Haus, um gleich
daneben einzukehren. Zwei Männer hantierten in der
• •
Küche: lie waren in ihrem Haute die Ubriggebliebenen.
Sie erlchraken, als lie meiner anlichtig wurden. Offen¬
bar Iah ich einem Gefunden wenig ähnlich. Einer
belchloß, iofort mit mir zu gehen. Er führte mich.
Als er den Ofen heizen wollte, fand er weder
Brennmaterial noch Zündhölzchen. Kurz entfchlohen
brach er zwei Staketen vom Zaun und holte von Haus
zwei koltbare Streichhölzchen. Mehr konnten lie nicht
entbehren.
Gegen Mittag kam mein Kollege, dem ich ge¬
ichrieben hatte und brachte mich in das Haus leiner
Schwelter, wo noch ein leeres Bett war. Seither liege
ich nun in dielem Haule, hart an der großen Straße.
Oben aber in dem Häuschen, wo ich früher
wohnte, ilt der Tod eingekehrt; er hat Mann und Frau
geholt. Mein Freund und Frau Grete lind nicht mehr.
Verwailt lind die Kinder bei der hilfloien Großmutter
zurückgeblieben.
Und gerade meinen Freund hätte ich nicht Kerben
lallen, wenn ich über Tod und Leben zu verfügen
hätte. Er Ichien mir unerletzlich. Eine Künltlernatur
durch und durch; ein Lehrer, wie wir lie leiten hatten,
verband er es, der Jugend die Augen für das Schöne
zu öffnen ; er lehrte lie leben und älthetifch empfinden
und half den jungen Menlchen gelchickt die Gegen-
ftände der älthetilchen Empfindung mit Hilfe der
Zeichen-, Mal- und Klebekunlt feltzuhalten, lo wie lie
in einem günltigen Augenblick gelehen und empfunden
waren.
Auf ihm ruhte die Hoffnung der wenigen Hoch¬
gebildeten, die den Glauben hatten, daß lieh durch
ihn ' die realiltilch-materialiltilche Denk- und Handels¬
weile der deutlchen Kolonilten in Rußland allmählich
zu einem Kunltverltändnis und geiltigen Kunltbedürfnis
heranbilden würde. Mag lein, daß diele Hoffnung kühn
war; aber eines bleibt beltehen: die Frucht leiner bis¬
herigen Arbeit ilt das erwachende Kunltbedürfnis
unlerer Jugend. — Den Mann brauchen wir. Wir
müllen ihn zurückhaben! Müllen wir? Was ilt’s mit
untrer Zukunft? Wer lebt denn noch? Liegen wir
nicht noch alle in den Klauen des Todes?
Und doch! Wer lebt, muß hoffen! Ich will kühn
wie ehemals den Glauben an untere Zukunft feithalten.
Freund, ruhe lanft! Dein Geilt Itarb nicht mit dir!
Erbärmlich ilt’s, zu jammern und zu klagen! Wir
wollen . . . O weh, die Stiche! — —
Nachmittag. Die Aufregung tat mir weh. Ich
fiel in die Killen zurück. Und doch ilt es ein un
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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…