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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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ut wußte, welcher
Art fie waren. Aber ich konnte mir felbft nicht helfen.
Die Stimmen draußen wurden immer lauter;) fie
drohten, die Tür zu fprengen oder das Haus anzu¬
zünden. Es war ein herzzerreißender Anblick für mich,
als die arme Tina fich mit Bangen und Zagen entfchloß,
den Räubern die Tür zu öffnen. Gleich einem Orkan
[türmten fie brüllend in das dunkle Haus. Sie forderten
Licht und zündeten felbft die armfelige Ölfunzel an,
die aufgefpart wurde für die allernotwendigften Fälle
im Krankenzimmer. Zuerft fetzten fie fich um den
Tifch herum und ließen fich vortragen, was im Haufe
vorhanden war. Sie aßen das letzte Brot auf und
tranken die letzte Miich aus. Dann ftürzten fie fich
gierig auf Schränke und Kommoden. Die Schubladen
wurden mit Krachen mitten ins Zimmer gefchleudert.
Sie gebärdeten fich fo wild, als ob fie uns gleich alle
erftechen würden. Irgendeine Rückficht auf die Kranken
nahmen fie nicht. Sie trieben den Hausherrn vom
Lager und nahmen ihm den Pelz weg, auf dem er lag.
Sie verhöhnten den armen Kranken, als er fie fragte,
worauf er denn liegen follte.
Ich lag im Nebenzimmer und hörte den Vorgang
mit Zeigender Fieberhitze. Jeden Augenblick mußten
fie zu mir hereinkommen. Fräulein Tina fchob fchnell
meine Kleider unter meine Kiffen und ftand neben
meinem Bett ebenfalls in fpannender Erwartung. Wie
wollte ich das Mädchen retten? Wohin follte fie gehen?
Waren doch ficher in allen Häufern folche Gefellen!
Wir hörten das Fahren der Fuhrwerke draußen.
Da fiel mir ein, daß der Nachbar, ein Zahnarzt,
die Krankheit bereits überftanden hatte. Dort war es
ficherer für Tina. Sie verließ auf meinen Rat das
Haus und blieb verfchout.
Endlich näherten fich fchwere Tritte. Die Tür
flog auf, und drei wüfte Gefellen umftanden mein
Lager. Sie fragten nach Stand und Nationalität.
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Lehrer? wiederholten lie und Iahen lieh im Zimmer
um. Es Itand nur ein Tilch darin, und lie entfernten
lieh Io geräulchvoll, wie lie gekommen waren. Der
Durchzug währte drei Tage und drei Nächte. Nun
ging es wieder zu wie acht Tage vorher. Wenn eine
Gruppe das Haus verließ, kam eine andere herein.
Draußen war es grimmig kalt, und das Brennmaterial
ging zur Neige. Tina und ihre Schweltern kamen
wieder und lorgten für uns, Io gut lie konnten Ich
höre noch die armen Kühe im kaiten Stalle brüllen.
Das Futter hatten die Anarchien bis auf den letzten
Halm ihren Pferden verfüttert. Milch gab es nicht
mehr. Die Kranken begehrten allerdings nicht viel zu
eilen; aber wer das Bett verließ, hatte einen um Io
größeren Hunger. Der entkräftete Leib verlangte zum
Ne
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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…