Avakum
Checking archive
← Research Library
Needs review

Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

Available for full-text research. Open the source to inspect original-language passages and page references.

179 passagesText fragments 1–60; these are not original page numberslanguage not recorded
VerificationThe source is searchable, but its quality passport requires another review.
Citation checks185 verified of 185 unique references recorded
Research profileNot current yet

Text fragment 53 (not an original page number)

Unit 53 of 60. Only the selected source passage is shown.
Exact extracted unit
ut wußte, welcher Art fie waren. Aber ich konnte mir felbft nicht helfen. Die Stimmen draußen wurden immer lauter;) fie drohten, die Tür zu fprengen oder das Haus anzu¬ zünden. Es war ein herzzerreißender Anblick für mich, als die arme Tina fich mit Bangen und Zagen entfchloß, den Räubern die Tür zu öffnen. Gleich einem Orkan [türmten fie brüllend in das dunkle Haus. Sie forderten Licht und zündeten felbft die armfelige Ölfunzel an, die aufgefpart wurde für die allernotwendigften Fälle im Krankenzimmer. Zuerft fetzten fie fich um den Tifch herum und ließen fich vortragen, was im Haufe vorhanden war. Sie aßen das letzte Brot auf und tranken die letzte Miich aus. Dann ftürzten fie fich gierig auf Schränke und Kommoden. Die Schubladen wurden mit Krachen mitten ins Zimmer gefchleudert. Sie gebärdeten fich fo wild, als ob fie uns gleich alle erftechen würden. Irgendeine Rückficht auf die Kranken nahmen fie nicht. Sie trieben den Hausherrn vom Lager und nahmen ihm den Pelz weg, auf dem er lag. Sie verhöhnten den armen Kranken, als er fie fragte, worauf er denn liegen follte. Ich lag im Nebenzimmer und hörte den Vorgang mit Zeigender Fieberhitze. Jeden Augenblick mußten fie zu mir hereinkommen. Fräulein Tina fchob fchnell meine Kleider unter meine Kiffen und ftand neben meinem Bett ebenfalls in fpannender Erwartung. Wie wollte ich das Mädchen retten? Wohin follte fie gehen? Waren doch ficher in allen Häufern folche Gefellen! Wir hörten das Fahren der Fuhrwerke draußen. Da fiel mir ein, daß der Nachbar, ein Zahnarzt, die Krankheit bereits überftanden hatte. Dort war es ficherer für Tina. Sie verließ auf meinen Rat das Haus und blieb verfchout. Endlich näherten fich fchwere Tritte. Die Tür flog auf, und drei wüfte Gefellen umftanden mein Lager. Sie fragten nach Stand und Nationalität. 69 Lehrer? wiederholten lie und Iahen lieh im Zimmer um. Es Itand nur ein Tilch darin, und lie entfernten lieh Io geräulchvoll, wie lie gekommen waren. Der Durchzug währte drei Tage und drei Nächte. Nun ging es wieder zu wie acht Tage vorher. Wenn eine Gruppe das Haus verließ, kam eine andere herein. Draußen war es grimmig kalt, und das Brennmaterial ging zur Neige. Tina und ihre Schweltern kamen wieder und lorgten für uns, Io gut lie konnten Ich höre noch die armen Kühe im kaiten Stalle brüllen. Das Futter hatten die Anarchien bis auf den letzten Halm ihren Pferden verfüttert. Milch gab es nicht mehr. Die Kranken begehrten allerdings nicht viel zu eilen; aber wer das Bett verließ, hatte einen um Io größeren Hunger. Der entkräftete Leib verlangte zum Ne

Source excerpts

[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…