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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921
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uaufbau kräftige Nahrung, wie Fleilch und Milch.
Eines Tages trugen mich die Anarchien lamt
dern Bett in das Zimmer zu den anderen Kranken und
nun lagen wir eng aneinandergepfercht und litten ge¬
meinsam. Sie richteten sich ein in den übrigen
Zimmern.
Erst nach Neujahr gab es eine Wendung zum
Besseren.
*
*
Am 6. Februar.
Statt der ukrainischen Anarchisten haben wir jetzt
die großrussischen Bolschewiki im Haus, die jenen
auf den Fersen sind und hier in unserem Ort Station
machen. Die meisten Kolonisten fürchteten die Bol¬
schewiki gleich den Anarchisten. Wir sehen aber, daß
es regelrechte Truppen sind. Oft zeigen sie ein
menschliches Rühren bei unserem Elend, das ihre
Gegner verursacht haben. Es sind mobilisierte Sol¬
daten aus allen Schichten der Gesellschaft und durch¬
aus nicht alle Bolsche.viki Diese Menschen können
uns ja auch nicht helfen, aber wir empfinden es schon
wohltuend, nicht ausgeflucht und ausgeraubt zu werden.
Allerdings ist zum Rauben nichts mehr geblieben.
Die Bolschewiki haben ihr Heerwesen reorganisiert,
und nun ist Disziplin bei ihnen, so daß eigentlich nur
noch in der Weise gestohlen wird, wie von jeher in
Rußland gestohlen wurde. Roheit herrscht überall
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nach diesem fluchwürdigen Kriege. Wie kann es
anders sein, als daß junge Menschen, die vielleicht
vier Jahre vor Ausbruch des Krieges Soldat wurden
und die bis heute das rohe Handwerk übten, in mo¬
ralische Verwirrung geraten!
* *
*
Am 11. Februar.
Ich ging heute trotz des Schneetreibens hinaus.
Es litt mich nicht mehr im Zimmer. Mein erster Gang
galt jenem Häuschen oben, wo ich in meinen gesunden
Tagen wohnte. Da saß nun in traurig leerem Hause
die alte Großmutter bei den beiden verwaisten Kindern.
Sie schmiegten sich an mich, als haftete an mir ein
Stück ihrer Eltern, die meine nahen Freunde waren.
Ich vermied, von ihren Eltern zu sprechen ; ich ver¬
mochte es nicht; die Worte blieben mir in der Kehle
stecken. Unvergeßlich bleibt mir der Blick des kleinen
8jährigen Mädchens; ein Blick, der abgrundtiefes Leid
verriet. Für sie hatten Vater und Mutter die ganze
Menschheit bedeutet Aus alien Häusern starrt jetzt
das nackte Elend und niemand ist, der diesen armen
Waisen helfen kann. Der Hunger quält sie, an
Schuhen und Kleidern fehlt es. Jemand kommt täglich
und heizt ihnen den Ofen. Blutleer sehen sie aus und
habee doch kräftige Nahrung Jedes Mittel wäre mir
recht, wenn ich hier helfen könnte.
Auf dem Heimwege wurde ich so schwach, daß
ich fürchtete, in der Schneedüne liegen zu bieiben.
Deshalb trat ich in ein Haus, um auszuruhen. Der
Vater lei
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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…