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Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921

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geltorben, lagte die erwachfene Tochter auf meine Frage, und die Mutter könnte nicht mehr gehen feit der Krankheit. Eine Schwullt ganz böler Art hindere fie daran. Der ältere Bruder fei geltorben und der jüngere habe das Gehör verloren Schwerhörig lind wir Genefenden alle, aber manche trifft es belon- ders hart Frau Gretes Nichte ilt lozulagen erblindet. Ihre Pupillen haben lieh Io lehr geweitet, daß das Sehvermögen falt geichwunden ilt. Ein junger, lehr religiöler Mann zeigt feit feiner Krankheit ein wunderliches Benehmen. Vor einiger Zeit ilt er auf die Straßen gegangen und hat zu lieh ins Haus eingeladen, wen er fand. Er hat fie zur 71 Mahlzeit eingeladen, ohne daß feine Frau darum wußte. Dann hat er mit irrem Verftand wunderliche und unverftändliche Reden geführt. Arm und hilflos find wir dem Schickfal preis¬ gegeben! — - * * -* Am 15. Februar. Ich mußte nach dem erften, bei fo ungünftigem Wetter gewagten Ausflug abermals ein paar Tage das Bett hüten. Die Temperatur ftieg und es waren alle Anzeichen einerLungenentzündungvorhanden, befonders heftige Stiche, die mir den Atem benahmen. Heute fühle ich mich beffer. Ich habe das Bett verlassen. Es ist mir verleidet, um fo mehr, als es zu kurz ist und ich mich während 40 Tage nicht aus¬ strecken durfte, was mir oft Tantalusqualen verursachte; aber es war kein anderes Bett vorhanden. Ich sitze am Ofen, habe den geretteten Mantel über die Schultern gelegt, und doch friert mich. Ich faßte heute ein Stück vom zerbrochenen Wandspiegel und erschrak bei meinem Anblick. Wir sind zum Spott der Menschen geworden. Die Augen liegen tief im Kopf; die geschorenen Haare gehen stellenweise aus, der Bart wächst ungepflegt unregelmäßig weiter . . . So sehen alle aus. Die Frauen sind ihres Haar¬ schmuckes beraubt, weil während der Krankheit die Haare lästig sind und sie später unrettbar ausgehen. Am Nachmittag. Ein schwaches winterliches Sonnenlächeln erfüllt das dumpfe Zimmer. Ich greife zum Notierstift. Nur wenige Blatt Papier sind mir geblieben. So muß ich mit spitzem Stift ganz sparsam beschreiben, denn es gibt kein Papier mehr in Rußland, und wäre noch etwas bei Spekulanten, fo fände ich doch nicht so viel Geld, um es zu bezahlen. In der Nikolaipoler Wollost (Landbezirk) wütet der Flecktyphus ebenso heftig wie bei uns. Die Witwen aus Eichenfeld, jenem Ort, wo in einer Nacht alle Männer ermordet wurden, sind mit wenigen Aus¬ nahmen an Typhus gestorben. Wen wundert’s? Sie hatten nach jener Schreckensnacht und den darauf¬ folgenden Sorgetagen keine Widerstandskraft mehr, 72 V. / die He

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[Ein Tagebuch aus dem Reiche des Totentanzes, Dietrich Neufeld, 1921. Дневник меннонита Дитриха Неуфельда, описывающий трагедию колонии Чортитца во время правления Махно в 1919-1920 гг. Автор документирует насилие, грабежи и убийства, направленные пр] Ein Tagebuch aus dem Reiche des TOTENTANZES Selbltverlag des Verfahers Dietrich Neufeld, Emden Alle Rechte Vorbehalten 19 21 Druckerei M. Wilkens, Emden V DK 5 Og .2 l ! 37 J*- ' hi- * . ** i'* <*- 'S" Vorwort. Ich ruf es in die Welt hinaus, Und mag es laut und schrill ertцnen, Und tuts den zarten Ohren weh Ich kann dem Drang nicht wehren! Des Herzens Not verlangt Gehцr, Die Welt, sie muss es hцren! Denn unsrer Seelen Not ist schwer; Es muss der Schrei die Lцsung bringen ! Es ist notwendig, daЯ die Welt erfahre, wie es in jenem, gleichiam ve…